Ausstellungen

„Künstlersammler“ in der Kunsthalle Koidl

fatmotherDass Künstler in ihren eigenen vier Wänden nur auf Selbstgeschaffenes schauen wollen, ist unwahrscheinlich. Was also hängt bei Malern und Konzeptkünstlern sonst an der Wand? Zumindest für die drei in Berlin lebenden Künstlern Karin Sander, Mona Hatoum und Arturo Herrera weiß man es jetzt genauer: Es sind Bilder ihrer Kollegen. Dabei haben Künstler wie sie für ihre private Sammlung natürlich eine Option mehr, als der gemeine Käufer. Sie können fremde Werke auch gegen eigene tauschen: wie die Video- und Installationskünstlerin Hatoum mit Sophie Calle, die Konzeptkünstlerin Sander mit Thomas Ruff und der für seine Collagen bekannte Herrera mit Andrй Butzer. Zu sehen sind diese und weitere 45 getauschte oder auch gekaufte Werke der drei jetzt in der Kunsthalle Koidl in der Ausstellung „Künstlersammler“ – wie Jeff Koons‘ „Puppy“, Raymond Pettibons „We Americans“ und Sigmar Polkes „Palmen“.

„Die Doppelrolle der Künstler als Kreative und Sammler hat uns interessiert“, sagt Christine Nippe, die künstlerische Leiterin der Galerie. „Das sind ja nicht nur einfach Sammlungen, die Künstler leben damit und haben ganz persönliche Beziehungen zu den Werken.“ Von Mona Hatoum weiß sie, dass diese ihre „Fat Mother“-Fotografie (Abbildung) von Sophie Calle immer im Blick hat. Und in der Berliner Wohnung des Venezolaners Herrera ist Nippe aufgefallen, dass dessen gesammelte und eingetauschte Kunst auch seinen Lebensweg von Lateinamerika über Chicago und New York nach Berlin nachzeichnet. „Arturos Wohnung ist eine große Sammlung seiner Migration, man kann anhand seiner Auswahl sehen, wo er gearbeitet hat, und was ihn zu dieser Zeit beeinflusst hat. Das jetzt einmal öffentlich zu zeigen, ist eine tolle Sache für uns.“ Gerade das Öffentlichmachen scheint einige andere Künstler aber auch abgeschreckt zu haben: „Es sammeln und tauschen natürlich noch andere Künstler und wir haben auch mit anderen gesprochen. Aber nicht jeder möchte zeigen, was er sammelt und besitzt.“

Umso mehr freut es die Kuratorin, dass sie jetzt, zeitgleich mit dem Gallery Weekend, diese Auswahl privater Künstlersammlungen zeigen kann. Der Reiz einer solchen ungewöhnlichen Zusammenstellung erschließt sich nicht nur ihr, sondern auch Besuchern schnell: Koons neben Polke und Anselm Reyle, Epstein zusammen mit Butzer, und Kutlug Ataman zusammen mit Stephen Wilks. „Das zeigt wunderbar, wie offen und durchlässig Sammlungen von Künstlern sind.“ Und es passt gut in das Konzept der 2008 von Roman Maria Koidl gegründeten Kunsthalle, nach dem man Privates der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte: „Wir wollen einfach gerne zeigen, was sonst hinter verschlossenen Türen ist“, erklärt Nippe.
Dazu passt ebenfalls der Ausstellungsort, ein ehemaliges Transformatoren-Haus der S-Bahn von 1928 im Bauhaus-Stil, das erst seit einer Generalsanierung durch Galeriegründer Koidl 2008 wieder öffentlich nutzbar ist: „Das war eine totale Ruine, hier wuchsen Bäume durch das Dach, Fenster waren nicht mehr vorhanden und die Wände bröckelten“, erzählt Nippe. Jetzt ist es ein klarer, hoher lang gestreckter Raum, in dem viermal im Jahr Sammler als einflussreiche Akteure in der Kunstwelt und auf dem Kunstmarkt dargestellt werden sollen. Besonders interessant wird es natürlich, wenn diese selber Küns­tler sind.Iris Braun

Text: Iris Braun

Foto: Sammlung Mona Hatoum 

Künstlersammler Kunsthalle Koidl, Gervinusstraße 34, Charlottenburg, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, 29.4–12.6.2011

 

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