Ausstellungen

„Kunsträuber?“ von Stefan Hochgesand


Was heute das kulturelle Leben im beschaulichen Mannheim mit seinem quadratisch-praktischen Straßennetz aufrüttelt, kann morgen schon die Hauptstadt treffen – wissen wir seit Schillers Ur-Aufführung von „Die Räuber“ 1782. Also bitte nicht denken, uns könnte das hier nicht passieren. Also, was ist passiert? Wikipedia hat ein Porträt von Richard Wagner des Malers Cäsar Willich auf seine Seite gepflanzt. Natürlich ohne vorher in Mannheim beim Reiss-Engelhorn-Museum durchzuklingeln, dass man das hübsche Bildchen gern verwenden würde. Wikipedia sagt nämlich: Es handelt sich um ein gemeinfreies Bild.
Die Stadt Mannheim sieht das anders und klagt vor dem Berliner Landgericht gegen das Online-Lexikon. Damit das Bild nicht in falsche Hände gelange. Ja, wer weiß, wer da nicht alles seine Freude dran hätte, das Bildnis des Antisemiten durch den Kakao zu ziehen. Andere meinen es nicht mal böse, wittern aber fette Dollars: Ein US-Unternehmen hat (man höre und staune!) das Wagner-Foto aus der Wikipedia verwendet und Merchandising-Produkte mit dem Wagner-Porträt produziert. Götterdämmerung, ick hör dir trapsen.
Ein bisschen tricky ist die Sache: Gemälde, deren Erschaffer mehr als 70 Jahre tot sind, unterliegen nicht mehr dem Copyright. Aber wie verhält es sich mit den Fotos dieser Gemälde? Sollen auch die der Allgemeinheit zur Verfügung stehen? So was sollte geklärt werden, denn wir alle leben nicht nur in Berlin, sondern auch im Internet. Mit seinen digitalen Museen.

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