Ausstellungen

„KW69“ im Institute for Contemporary Art

kw69Schon lange hat die Berliner Künstlerin Angela Bulloch ein Auge auf die Werke von Jean-Michel Wicker geworfen. Er arbeitet Tür an Tür zu ihrem Studio. Der kleine Unterschied zwischen beiden: Der 1970 in Frankreich geborene Künstler ist nahezu unbekannt. Er lebte lange in Nizza, London und Genf und zog erst im vergangenen Jahr nach Berlin. „Ich kenne sein Werk, aber es wird noch nicht genug gezeigt“, findet Angela Bulloch.

Dass ihre Wahl zum Start der neuen Ausstellungsreihe in den Kunst-Werken auf ihn fiel, sieht sie auch als Unterstützung des fast gleichaltrigen Kollegen. Im Vorderhaus der Kunst-Werke, wo schon das „Hotel Marienbad“ mit Veranstaltungen für einen Abend auf sich aufmerksam gemacht hat, bietet Direktorin Gabriele Horn nun mit „KW69“ ein neues Format. Spontaner angelegt als die Ausstellungen im Haupthaus, soll es mehr Raum zum Experimen­tieren und für den Dialog geben. „Es ist ein offenes Format, das nicht dem Erfolgsdruck standhalten muss, den man sonst von außen hat“, sagt die Leiterin – auch mit Blick auf die Künstler, die sich in den zwei Räumen auf kaum mehr als 20 Quadratmetern aus­toben können und ausprobieren sollen.

„Etwas nicht Institutionelles institutionell ermöglichen“, das will Gabriele Horn. Zum Auftakt lud sie dann Angela Bulloch ein, und diese wiederum Winkler, dessen kinetische Wand-Skulptur „Aprиs-ski“ Bulloch mit ihrer motorisierten Zeichnungsmaschine aus den 90er-Jahren beeinflusst hat. Auch Wickers weiteren Wandobjekte sind aus Pappmachй und meist rundliche Scheiben wie die farblosen, aus Kartonpapier und Pappmachй geformten Stücke, die den Besucher im Eingang empfangen. Stimmig ergänzt sind seine Plastiken durch Arbeiten weiterer Künstler wie die grell weiß leuchtende Neon-Skulptur von Cerith Wyn Evans, Christina Mackies unter Druck zu Mini-Behältern verformte Kaffeebecher, Manfred Pernices Hocker-Set „Bergamo“ und Dominique Gonzalez-Foersters bedrückendes Video „Atomic Parc.“ Ein Jahr lang werden jetzt im Vier-Wochen-Takt Künstler andere Künstler einladen, hier auszustellen. Als Nächstes wird Wicker zum Gastgeber und trifft seine ganz persönliche Kollegenwahl.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Tina Wessel

KW Institute for Contemporary Art Auguststraße 69, Mitte; „Molecular Etwas“ von Angela Bulloch bis 28.11.,
Di-So 12-19 Uhr, Do 12-21 Uhr

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