Ausstellungen

„Leben statt? Lifestyle“ von Iris Braun

Die sozial engagierte  Architektengruppe „Assemble“ hat gerade mit dem Britischen Turner Prize einen der weltweit wichtigsten Preise für zeitgenössische Kunst überhaupt gewonnen. Das ist wegweisen, wie der Turnerpreis sowieso schon immer die Richtung vorgab, in die sich die Kunst in Zukunft bewegen würde: Gilbert & George, Damien Hirst, Wolfgang Tillmans und Steve McQueen begannen so Weltkarrieren.
Das junge Assemble-Kollektiv hat kein Werk geschaffen, das in ein Museum passen könnte, sondern aus dem völlig herunterge­kommenen Liverpooler Granby-Street-Areal wieder einen lebenswerten Ort gemacht. Zusammen mit den Bewohnern und auf lange Sicht, also nicht als temporäre Aufhübschung für kommende Immobilieninvestoren. Die Themen Architektur, Wohnen und Gentrifizierung sind damit ganz oben auf die Agenda des Kunst-Betriebs gesetzt worden, was wahrlich keine schlechte Nachricht für alle ist, denen der überhitzte Markt mit seinen Stars und seiner Trophy-Kunst auf die Nerven geht.
In Berlin, der Stadt, in der die Wohnungsfrage ganz oben auf jeder Agenda steht, ist diese ?Gegenbewegung schon lange spürbar. Kollektive der Freien Szene wollen Wohnräume und Ateliers erhalten (AbBa) oder kämpfen für mehr künstlerische Förderung (Avatara Plenara Zeitstipendia). Auch für sie und uns ist diese Auszeichnung eine tolle Nachricht.

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