Installation

Lee Bul im Gropius Bau

Zerbrechlich wie Zeppeline: Die neue Leiterin des ­Gropius Baus, Stephanie Rosenthal, stellt in der ersten von ihr kuratierten Ausstellung die koreanische Künstlerin Lee Bul vor. Buls Aufwachsen in einem geteilten Land ist ein wichtiger Aspekt ihrer Kunst

Foto: Algirdas Bakas / courtesy: Studio Lee Bul; Kim Jae Won / Courtesy: Studio Lee Bul

Ein Zeppelin schwebt im Lichthof des Gro­pius Baus – er gehört zu einer Werkschau der südkoreanischen Gegenwartskünstlerin Lee Bul, der die neue Leiterin des Ausstellungshauses, Stephanie Rosenthal, einen großen Auftritt im ersten Stock gönnt. Vorbild für die Installation ist das Luftschiff „Hindenburg“, ein fliegendes Grandhotel von 247 Metern Länge. Das größte Flugobjekt aller Zeiten ging 1937 bei der Landung in den USA in Flammen auf. Das Unglück läutete das Ende der Verkehrsluftschifffahrt ein. Und es zeigt, wohin immer größerer Idealismus und das bis ­heute grenzenlose Vertrauen in den technischen Fortschritt führen können.

Die 17 Meter lange Zeppelin-Installation „Willing to be vulnerable – Metalized Balloon“ der Südkoreanerin gehört zu einer ganzen Werkschau und ist der erste große Auftritt der Künstlerin in Deutschland. Das Erforschen von Träumen und gescheiterten Utopien ist ihr Feld. „Die Beschäftigung mit dem Körper, und wie dieser Gefühle von Grenzerfahrungen hervorruft, faszinieren mich an ihrer Arbeit besonders“, so Stephanie Rosenthal. Sie hat die „Crash“ betitelte Schau als Erlebnisparcours angelegt. Ihre Wahl fiel wohl nicht zuletzt deshalb auf die 54-jährige Koreanerin, weil diese aus einem geteilten Land kommt. Eine Parallele zur deutschen Geschichte. Zumindest, als die Mauer noch stand. Die Ausstellung sei „bereits ein Verweis auf unsere kom­mende Arbeit im Gropius Bau: Das Gebäude liegt ja an der ehemaligen Berliner Mauer. 2019 jährt sich der Berliner Mauerfall zum 30. Mal.“

In Korea steht diese Wiedervereinigung bekanntlich noch in den Sternen, eine Grenze verhindert jedes Miteinander. Während ihres 30-jährigen Schaffens hat Lee Bul dies nie aus den Augen verloren. Sie wuchs in Seoul während des Übergangs von einer Militärdiktatur zur Demokratie auf und studierte Bildhauerei. In frühen Performances verstieß sie gegen die künstlerischen Konventionen ihrer Heimat, zeigte sich etwa 1989 in körperbetonten Aktionen mit monsterhaften Stofftentakeln („Cravings“). Die Erweiterung des Körpers – dargestellt durch Stoffwucherungen ihrer „Monster“-Serie und den technoiden Ergänzungen der „Cyborgs“ – bildet einen alten Menschheitstraum beziehungsweise Albtraum, über den Utopien und Dystopien zentrale Motive für ihr Werk werden sollten.

Mit Arbeiten wie „Mon grand récit: Weep into stones…“ (2005) bringt Lee Bul nicht zuletzt die Unterdrückung, den Schmerz und die Verletzlichkeit des Menschen zum Ausdruck, anderes hingegen wirkt abstrakter, der lüsterartige „Sternbau“ zum Beispiel. Inspirieren lässt sie sich dabei von vielfältigen Quellen – von Film und Science-Fiction, Bioengineering und Architektur, Literatur sowieso.

Sie baut raumgreifende Installationen, glitzernde Skulpturen, experimentiert oft mit edlen Materialien wie Perlmutt, Kristallen, Leder oder Samt, malt und zeichnet aber auch. Sinnlich und mitunter humorvoll mutet das Ergebnis an. Nach Ausstellungen in vielen internationalen Museen kann man diese spannende Künstlerin jetzt auch in Berlin kennenlernen.

Lee Bul: Crash im Gropius Bau, Niederkirchner Str., Kreuzberg, bis 13.1.2019

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