Ausstellungen

Louis Stettner in der Galerie Johanna Breede

Louis_Stettner_Twin_Towers_c_louis_stettner_johanna_breede_photokunstWie zwei Schimären ragen die Twin Towers aus dem Dunst des Hudson River empor. Mit ihren Schwingen verklammert eine auf uns zustrebende Möwe das einstige Wahrzeichen von Downtown Manhattan. Die Konturen sind verschwommen, dank der Grobkörnigkeit vibriert das WTC gleichsam. Wie kaum ein Zweiter schafft es Louis Stettner, verbrauchte Ikonen frisch zu inszenieren. Es gelingt ihm aber auch bei Porträts, den richtigen Augenblick zu erwischen. Ganz versunken in sein Hüpfspiel zwischen Lichtkreisen und Schattenzonen zeigt er uns ein kleines Mädchen in der Penn Station, der er gleich eine ganze, höchst verwunschene Serie gewidmet hat. Seine Sympathie für Outcasts spiegelt sich in einem Obdachlosen in Rückenansicht, der die Nacht auf einer Parkbank im Central Park verbringt. „The First ­Ninety Years“ hat die Galerie Johanna Breede in Anspielung auf seine nicht zu bremsende Schaffenslust diese kostbaren Aufnahmen genannt. Denn tatsächlich wurde er im November 2012 stolze 90 Jahre. Aus diesem Anlass ist nun in Paris eine große Retrospektive zu sehen. Die jüngsten Motive bei Johanna Breede sind aus dem Jahr 2011 und ziemlich bunt. Zwischen seiner Heimatstadt New York und Paris pendelt der Künstler seit 1947. Es ist überliefert, dass Louis Stettners erste Worte, wobei er dramatisch in Richtung Himmel gestikulierte, „There is the sun“ gewesen sein sollen.

Text: Martina Jammers

Foto: Louis Stettner / Johanna Breede PHOTOKUNST

tip-Bewertung: Sehenswert

Louis Stettner Johanna Breede Photokunst, Fasanenstraße 69, Wilmersdorf, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr, bis 23.2.

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