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Mahrem – Anmerkungen zum Verschleiern bei Tanas Berlin

Mahrem

Drei Freundinnen machen ein Spiel: Sie fotografieren sich auf einer Bank, zwei stecken immer die Köpfe zusammen, abwechselnd springt eine dritte auf und läuft unter Lachen in die richtige Distanz, um das Foto zu machen. Klackklackklack, hört man ihre Absätze, ihre schwarzen Schleier wehen aufgeregt hinter ihnen her, und auf allen Bildern sieht man stets das Gleiche, zwei schwarz verschleierte Köpfe.

Das stillgestellte Foto also erzählt von der Nivellierung der Individualität, der bewegte Prozess des Fotografierens hingegen enthält alle Zeichen des Lebendigen. Dieses kurze Video der syrischen Künstlerin Samer Barkaoui bringt auf einen Punkt, um was die Ausstellung Mahrem – Anmerkungen zum Verschleiern im Kunstraum Tanas kreist: dass die Botschaften der Verschleierung mehr als einem Code folgen. Die Soziologin Nilüfer Göle, die für die Ausstellung mit dem Kurator Emre Baykal zusammenarbeitet, schreibt: „Auf ironische Weise macht die isla­mische Verschleierung, die vermeintlich vor fremden männli­chen Blicken schützen soll, Frauen auf der globalen Bühne umso sichtbarer.“

Wenn die Künstlerin Nezaket Ekici, die in Berlin lebt, das Aufsetzen des Kopftuchs in der Videoperformance „Gravity“ vorführt, glaubt man anfangs einen ganz alltäglichen Vorgang zu beobachten. Je länger man aber zuschaut, wie sie ein Kopftuch über das andere packt, bis ihre Gesichtszüge schon fast mumi­fiziert unter den weggesteckten Kopftuchrändern erscheinen, bekommt dieser Akt auch etwas Verschrobenes und Gewaltsames. Die Ausstellung hütet sich vor Bewertungen, die die eine oder die andere Seite ausschließen würde. Sie bringt vielmehr Bewegung in die Deutung eines Zeichens, das immer wieder zum Politikum geworden ist und werden wird.

Text: Katrin Bettina Müller

Mahrem – Anmerkungen zum Verschleiern

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