Ausstellungen

„Margaret Bourke-White. Fotografien“ im Martin-Gropius-Bau

bourke_white_07_koelnerdomSie zeigt eine Messe für amerikanische Soldaten inmitten der Geröllhalde des Kölner Doms oder entsetzlich überfüllte Züge am Anhalter Bahnhof 1945. Anders als ihre Kollegin Lee Miller, die das Image vom „gemeinen deutschen Tätervolk“ inszenierte, geht es der 1904 in New York geborenen Fotografin Margaret Bourke-White um die Spuren des Einzelschicksals, die sie den Gesichtern abliest. Gleichwohl führt sie ungeschminkt die Befreiung von Buchenwald vor. Sie dokumentiert, wie die Weimarer Bürger, die bestritten, von den Nazigräueln in den KZs gewusst zu haben, auf Geheiß von General Patton die grausamen Verbrechen mit eigenen Augen ansehen mussten. Schieres Entsetzen macht sich breit. Ihr schockierender Fotobericht über die letzten Kriegstage, „Dear Fatherland, Rest Quietly“, diente den US-Anklägern auch als Beweismaterial in den Nürnberger Prozessen. Geleitet hat die Fotografin „das unstillbare Verlangen, zur Stelle zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird.“

Begonnen hat ihre steile Karriere mit neusachlichen Porträts von monumentalen Industrieanlagen in den USA. Es ist nichts weniger als eine Feier der Technik, die sich fortsetzt in ihren Erkundungen in Deutschland oder in der Sowjetunion 1930-32. Sie war die erste Frau, die Fotos von Stahlwerken machte, die erste im Fotografenteam der Zeitschriften „Fortune“ und „Life“, die erste Ausländerin, die in der Sowjetunion fotografieren durfte. Bombenangriff: Erschreckend schön erscheinen die Blitze am nächtlichen Himmel über dem Kreml. ­Bourke-White war stolz auf ihre Durchsetzungskraft, in US-Kampfflugzeugen mitfliegen zu dürfen. Die US-Regierung hatte sie als Kriegsfotografin akkreditiert. Dem eigenen Anspruch, das „Auge ihrer Zeit“ zu sein, wurde sie gerecht.

Text: Martina Jammers

Foto: Syracuse University Libary Collection, New York / Time & Life / Getty Images

tip-Bewertung: Sehenswert

Margaret Bourke-White. Fotografien Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, Mi–Mo, 10–19 Uhr, bis 14.4.

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