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Maria Lassnig in der Galerie Capitain Petzel

Maria_Lassnig_13_0006_c_JensZiehe_MariaLassnig_CourtesyCapitainPetzelBerlinDa reißt sich ein „Jüngling“ die Brust auf, als wolle er sein Innerstes offenlegen. Tatsächlich scheint das 2011 entstandene Gemälde wie geschaffen, um Maria Lassnigs Credo zu symbolisieren. Denn für die Künstlerin bilden Gefühle wie Schmerz oder Freude ebenso wie weniger beachtete Spannungsempfindungen den Ausgangspunkt für ihre virtuosen „Körperbewusstseins-Malereien“, wie sie es nennt. Auf der diesjährigen Biennale von Venedig erhält die große alte Dame, geboren 1919 in Kärnten, jetzt den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk, das Ergebnis intensiver Selbstbetrachtung. Wer nicht nach Venedig kommt oder nach Hamburg, wo im Sommer eine Retrospektive in den Deichtorhallen Arbeiten aus 60 Jahren versammelt, kann großformatige Bilder der Österreicherin in der Galerie Capitain Petzel bewundern.

Die neun Gemälde sind ein attraktiver Appetizer und erstmals zu sehen. Mit ihren 93 Jahren immer noch im Atelier aktiv, behandeln die kraft- und humorvollen Bilder Maria Lassnigs Körperempfindungen, Geschlechterrollen und Paarbeziehungen. Ob „Adam und Eva mit Spiegel“, „Inspiration“ im Liebesakt oder die surreale Verschmelzung amorpher Wesen, ihre Mensch-Tier-Verdichtungen wirken sympathisch authentisch. Sinnlich ist ihre erotisch aufgeladene Malerei und gewürzt mit einer Prise Ironie. Betrachtet man den originellen Hund, der die faltige Schnauze müde auf hellen Untergrund bettet, während sich ein nacktes Paar begegnet, so fühlt man sich an einen Anstandswauwau erinnert. Ohne Fotovorlagen kommt diese Künstlerin aus, die auf ihr Bauchgefühl achtet und doch präzise komponiert und gedanklich strukturiert. Ihr Galerist hält sie für „die bedeutendste Malerin unserer Zeit“. Dem kann man nur zustimmen.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Jens Ziehe / Maria Lassnig / Courtesy Capitain Petzel Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Maria Lassnig Galerie Capitain Petzel, Karl-Marx-Allee 45, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 18.6.

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