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Marianne Breslauer Fotografien

Zwei Männer mit Hüten. Einer mit Melone, der andere mit Zylinder – schräg von hinten gesehen. Ein vordergründig unspektakuläres Foto. Und doch beschäftigt es unsere Phantasie. „Alle meine Bilder sind gewissermaßen als vorausbedachter Schnappschuss  entstanden“, beschreibt Marianne Breslauer ihr Vorgehen. Den Portraits der 1909 in Berlin Geborenen haftet etwas ungemein Poetisches an– sei es Erich Maria Remarque, Man Ray oder ihre Schulfreundin Djemila in Jerusalem. Diese Menschen scheinen mit sich beschäftigt, sie sind Lichtjahre entfernt von enervierender Inszenierung. Sorgfältig ausgeklügelt dagegen sind Breslauers wunderbare Reiseimpressionen. Aus Pamplona erzählt sie nicht von bestialischen Stierläufen, sondern zeigt aus Vogelperspektive, wie ein Großtaxi mit Hutschachteln und anderem Gepäck beladen wird. Im Jardin du Luxembourg hält sie in einer beschwingten Serie fest, wie der lyrischste aller Dickhäuter seine Runden dreht: Rilkes weißer Elefant aus seinem „Karussell“-Gedicht. Jäh endet ihr Њuvre mit der Emigration vor den Nazis.        

Text: Martina Jammers

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(tip-Bewertung: Herausragend)

„Unbeachtete Momente“ – Fotografien von Marianne Breslauer
in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, Kreuzberg, Mi-Mo 10-18 Uhr,
bis 6.9.2010

 

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