Ausstellungen

Maurice de Martin in Marzahn

Maurice_ist_da_IMG_1137_c_VanessaGageosIst Kunst wirklich elitär, alltagsfremd und nutzlos? Das fragte sich Maurice de Martin nach einer harschen Kritik von Marzahner Bürgern und Bürgerinnen. Die meinten, durch Kunstprojekte etwas vorgesetzt zu bekommen, das nichts mit ihnen zu tun habe und sie auch noch ihre Steuergelder koste. De Martin nahm diese Beschwerde als Herausforderung. Sein neues Projekt in Marzahn spricht nun die dortige Bevölkerung direkt an. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte der Künstler und bot seine Dienste für vier Wochen unentgeltlich im Bezirk an. Sein Zwischenbericht nach einer Woche: „Ich habe viel mehr zu tun als erwartet.“ Das sei der härteste künstlerische Einsatz, den er je hatte.

Bereits vor dem offiziellen Start rauschten die Aufträge herein, vom Fensterputzen für ältere Damen, die nicht mehr die Leiter hochkommen, über das Abhalten eines künstlerischen Fußballtrainings bis zum Komponieren eines Ständchens für den Heiratsantrag einer jungen Frau an ihren Liebsten. Nach einem wahren Fensterputz­wunsch­ansturm musste er sich die künstlerische Freiheit nehmen, um die Anruferinnen – bis auf einen Mann seien es bisher nur Frauen ab 60 – zu einer alternativen Dienstannahme zu überreden. So hat eine Antragstellerin ihn stattdessen darum gebeten, ihr bei der Wohnungsumgestaltung zu helfen. Ausräumen, Wände weißen, Möbel reduzieren, Bilder und Skulpturen vom Dachboden holen – drei Termine. Nach getaner Arbeit gibt es für den Künstler Kaffee, Kuchen oder auch ein Fläschchen Rotkäppchen. „Ich sage dann immer: Vorsicht mit den Geschenken, das wird alles Kunst, sobald es diese Wohnung verläss“, berichtet de Martin.

In der Galerie M steht die Flasche bereits auf einem weißen Podest. So manche Besucher der Galerie reagieren etwas konsterniert, wenn sie die bis zur Finissage zum fertigen Kunstwerk anwachsende In­stallation vorfinden. Die Auseinandersetzung mit einem erbosten Kunstsucher hatte den Künstler veranlasst, ein Warnschild am Galerieeingang anzubringen. Der Mann hätte gern schöne Bilder gesehen, also etwas, das nichts mit seinem Leben zu tun hat … Aber das gibt es momentan bei Maurice de Martin nicht.

Text: Constanze Suhr

Foto: Vanessa Gageos

Maurice ist da! Maurice de Martin, Galerie M, Marzahner Promenade 46, Marzahn,  So–Fr 10–18 Uhr, Finissage 5.9., 18 Uhr, www.mauriceistda.org

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