Ausstellungen

„Max Liebermann und Frankreich“ in der Liebermann-Villa

Liebermann_Frankreich_Henri_Toulouse-Lautre_c_E.W.K.Bern„Ich send’ Euch diese Rezension/ von Eurem einst verkannten Sohn, / der rйellement – und damit Ihr’s wisst –/ est un de nos plus grands artistes./ Dies steht nun fest für immerdar,/ gedrucktes Zeug ist ja stets wahr.“ Diese Zeilen richtete der 36-jährige Max Liebermann mit großer Genugtuung aus Paris an seine Eltern, als in der französischen Kunstzeitschrift „L’Art“ der erste monografische Artikel über ihn erschienen war. Musste er sich in Deutschland der „Schmutzmalerei“ bezichtigen lassen, erfassten die Franzosen die Begabung des deutschen Impressionisten. Zwei Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg ging Liebermann nach Paris, um die aktuelle Moderne dort kennenzulernen. Was er gesehen hat, versucht die reizvolle Sommerschau in der Liebermann-Villa am Wannsee zu rekonstruieren.

Einer seiner Fixsterne war Jean-François Millet, Vertreter der Schule von Barbizon, die die Freilichtmalerei etablierte. Liebermann zitiert dessen „Ährenleserinnen“ von 1857 in seiner eigenen „Kartoffelernte in Barbizon“. Der keck davonspringende „Jockey“ von Toulouse-Lautrec hat es ihm ebenso angetan – und wurde zum Bestandteil von Liebermanns Kunstsammlung. Zunehmend kultivierte er die französische Peinture, welche die reine Malerei anstrebt und das Sujet in den Hintergrund stellt. Sein Motto lautete fortan: „Der Satz, dass die gut gemalte Rübe besser sei als die schlecht gemalte Madonna, gehört bereits zum eisernen Bestand der modernen Ästhetik. Aber der Satz ist falsch; er müsste lauten: Die gut gemalte Rübe ist ebenso gut wie eine gut gemalte Madonna.“

Text: Martina Jammers

Foto: E.W.K. Bern

tip-Bewertung: Sehenswert

Max Liebermann und Frankreich Liebermann-Villa, Colomierstr. 3, Wannsee, tägl. außer Di 10–18 Uhr, Do+So 10–19 Uhr, bis 12.8.

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