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Ausstellung Megastructure Reloaded in Berlin

Foto_von_Archigram_ArchivesSelbst die Versuche in den 1960er Jahren, demokratische Wohnstätten zu schaffen, endeten nicht selten in größenwahnsinnigen Konstrukten. Die Ausstellung „Megastructure Reloaded“ stellt die bekanntesten Projekte vor, kommentiert von Architekten und Künstlern.

Streng organisiert schwebt die gesamte Infrastruktur nach Buckminster Fullers „Cloud Nine“-Konstruktion von 1960 über der Landschaft, der slowenische Künstler Tobias Putrih sieht darin das Ende des amerikanischen Traums. Mit seinen durch den Raum gespannten Nylonfäden, die wie ein filigranes Spinnennetz teils im Spotlight glitzern, teils im Schatten verschwinden, kommentiert Putrih die ästhetisch in?teressante, aber äußerst unbrauchbare Raumidee Fullers.
Wie man gegen das Diktat des rechten Winkels angeht und den zur Verfügung stehenden Platz am klügsten nutzt, überlegte sich auch der 1929 geborene Architekt Eckhard Schulze-Fielitz. Mit seinem 1959 entstandenen Modell „Raumstadt“ demonstrierte er seine Vorstellung neuer Raumschaffung, eine „serielle, offene, anpassungsfähige, multifunktionale Universalstruktur“, die flexibel und nicht monoton sein sollte. Angetrieben von dem Wunsch, unkontrolliert wachsenden städtischen Wohnwelten ein funktionales, angenehmeres Ambiente entgegenzusetzen, versuchten Künstler und Architekten Ende der 60er Jahre ein neues Modell zu finden. Dass der rasante Neuaufbau nach Foto_von_Josй_Dбvilladem Zweiten Weltkrieg mit dem Vorhaben, möglichst viel Wohnraum zu schaffen, Probleme mit sich brachte, offenbarte sich bereits Ende der 50er Jahre. Landflucht, wachsende Bevölkerungszahlen, Bodenspekulation und zunehmender Straßenverkehr sorgten dafür, dass die ultimative Stadt der Zukunft ein heißes Diskussionsthema wurde. Mit der linken Bewegung Ende der 60er gehörte dazu noch die sogenannte Demokratisierung des Wohnens und die „Überwindung des Einfamilienhauses“.
Ein von Menschenhand geschaffener Beitrag zur Landschaft sollten sie sein, die ausladenden Raumtragwerke für flexible modulare Einheiten, ausgelegt für große bis unbeschränkte Erweiterung. Yona Friedmans „Ville Spatiale“, Archigrams „Plug-in-City“ und Constant Nieuwenhuys’ „New Babylon“ gehörten in den 60er Jahren zu den Ikonen dieser visionären Architekturentwürfe, die nun in der Ausstellung „Megastructure Reloaded“ mit einer spannenden Ausstellungsarchitektur von Dennis Crompton, raumlabor_berlin und Jeannette Merker zusammen vorgestellt und von Architekten und Künstlern, kuratiert von Sabrina von der Ley und Markus Richter, kommentiert werden.

Den vollständigen Artikel finden Sie im tip/21

Text: Constanze Suhr
Foto: Archigram Archives, Josй Dбvila

Bildergalerie hier

Megastructure Reloaded

Ehemalige Staatliche Münze,
Molkenmarkt 2, Mitte,
Di-So 12-19 Uhr, bis 2. November 2008

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