Ausstellungen

Mies van der Rohe im Grünen

Reiner_HausleitnerZwei wandgroße Fenster zum Garten, hinter dem der idyllische Obersee plätschert, sind der einzige Luxus dieses schlichten ebenerdigen Backsteinhauses, das Karl und Martha Lemke von 1933 bis 1945 bewohnt haben. Entworfen wurde es vom damaligen Bauhausdirektor Mies van der Rohe, mit Le Corbusier, Frank Lloyd Wright und Walter Gropius einer der prägenden Architekten des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude war van der Rohes letzter Wohnhausentwurf, bevor er 1938 in die USA emigrierte.­ 1945 zog die Rote Armee in das L-förmige Gebäude und benutzte es als Garage. In den 1960er Jahren bis zum Fall der Berliner Mauer machte dann die Staatssicherheit der DDR das Haus zu einem Wäschedepot mit Hausmeisterwohnung und Küche. Erst 1977, nachdem bereits zahlreiche Umbauten in Haus und Garten stattgefunden hatten, wurde das architektonische Kleinod vom Ostberliner Magistrat unter Denkmalschutz gestellt. Zum diesjährigen Mies-van-der-Rohe-Jahr, dem 125. Geburtstag des Bauhausarchitekten, begießt Udo Dagenbach im Garten die Rosen. Weiße mochte Mies am liebsten, sagt der Landschaftsarchitekt, um dann sein gärtnerisches Arrangement zu erklären. Seine gepflanzte Installation „A Star for Mies“ bezieht sich auf das zerstörte Revolutionsdenkmal van der Rohes, das 1926 in Friedrichsfelde errichtet worden war. Im Inneren des Gebäudes und draußen auf dem Rasen korrespondieren Nelly Rudins parallel ausgestellte farbige Objekte „innen und außen“ mit der Gebäudestruktur, dem Licht und dem Fluss des Raumes. Vor zehn Jahren wurde das Haus nach historischen Plänen wieder instand gesetzt, nachdem es 1990 in die kommunale Trägerschaft des Bezirks Höhenschönhausen, heute Lichtenberg, übergegangen war. Die regelmäßig stattfindenden Ausstellungen beziehen sich ausschließlich auf die Architektur. Einen Museumsshop und ein überfülltes Cafй sucht man vergeblich – das Gebäude selbst, der Garten und korrespondierende künstlerische Arbeiten können so fernab vom Kunsttrubel der Innenstadt ihre Wirkung zeigen. Mies van der Rohe sagte mal: „Ich will nicht berühmt sein, ich will gut sein.“

Text: Constanze Suhr

Foto: Reiner Hausleitner

Nelly Rudin – Innen ist außen, „A Star for Mies“ – Udo Dagenbach Mies van der Rohe Haus, Oberseestraße 60,
Hohenschönhausen, Di–So 11–17 Uhr, bis 31.7.

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