Plakataktion

„Miss You“: Open-Air-Ausstellung mit Berliner Künstler*innen

Seit dem 2. März 2021 hängen in Berlin, Hamburg und Baden-Baden öffentlich Fotos von Künstler*innen, die vor Corona Bühnen bespielt und live ihr Publikum erfreut haben. Seit Beginn der Krise sind sie auf sich selbst zurückgeworfen. Die Plakataktion mit dem Namen „Miss You“ spricht dabei für sich selbst.

Berührendes Nichts: Stefanie Reinsperger, Schauspielerin am Berliner Ensemble, vor leeren Rängen. Foto: Jörg Brüggemann/Ostkreuz/www.missyou.berlin
Berührendes Nichts: Stefanie Reinsperger, Schauspielerin am Berliner Ensemble, vor leeren Rängen. Foto: Jörg Brüggemann/Ostkreuz/www.missyou.berlin

Die Fotografien zeigen Kulturvertreter*innen in ihrem Atelier, Proberaum oder in der Küche zuhause

Anne Imhof, Performance-Künstlerin, lebt unter normalen Umständen von der Interaktion mit ihrem Publikum, bezieht Zuschauer*innen mit ein, kommt ihnen nah. Stefanie Reinsperger bespielt sonst gemeinsam mit den anderen Schauspieler*innen des Berliner Ensembles die Bühne des Theaters am Schiffbauerdamm, vor den Augen von hunderten Menschen. Das geht seit Corona alles nicht mehr.

Im Rahmen der Plakataktion „Miss You“, die zwischen dem 2. und 16. März 2021 im öffentlichen Raum in Berlin, Hamburg und Baden-Baden gezeigt wird, inszenieren sich Künstler*innen wie Imhof und Reinsperger und weitere Vertreter*innen der Kunst- und Kulturbranche nun in der Stille.

Es sind Schauspieler*innen, Musiker*innen, Künstler*innen und Tänzer*innen des etablierten Kulturbetriebs und der freien Szene, darunter auch bekannte Namen wie Lars Eidinger, Thomas Struth, Max Raabe und Katharina Thalbach, die zeigen wollen: Wir vermissen euch (das Publikum) und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen. Aber auch: Wir gehören zusammen.

Hygienetheater mit Lars Eidinger? Der Schauspieler zeigt sich für die Fotoaktion "Miss You" hinter Plexiglas. Foto: Ina Schoenenburg/Ostkreuz/www.missyou.berlin
Hygienetheater mit Lars Eidinger? Der Schauspieler zeigt sich für die Fotoaktion „Miss You“ hinter Plexiglas. Foto: Ina Schoenenburg/Ostkreuz/www.missyou.berlin

Die Fotografien zeigen Kulturschaffende in einer Zeit, die sie einerseits kreativ umso mehr herausfordert und andererseits existentiell bedroht. Dabei lebt die Ausstellung von authentischen Momenten, fängt Alltagssituationen in den Ateliers, Proberäumen und auch den privaten Räumlichkeiten der Künstler*innen ein.

Auf die zweiwöchige Open-Air-Ausstellung im öffentlichen Raum soll, sobald es Corona wieder zulässt, eine Museumsausstellung mit rund 100 Fotografien soll folgen.

„Miss You“: Umgesetzt von der Berliner Fotoagentur Ostkreuz

In Szene gesetzt wurden die teilnehmenden Kulturschaffenden von 18 Fotograf*innen der Berliner Agentur Ostkreuz. Initiiert wurde das Ganze vom Verein für zeitgenössische Kultur upArt aus Baden-Baden.

Für die Arbeit der Künstlerin Anne Imhof bedeutet Corona eine riesige Veränderung.
Für die Arbeit der Künstlerin Anne Imhof bedeutet Corona eine riesige Veränderung. Foto: Jordis Antonia Schlösser/Ostkreuz/www.missyou.berlin

Die Initiator*innen verstehen die öffentliche Fotoausstellung „Miss You“ als „Lebenszeichen“ der Kulturbranche, als „positives Statement“, aber auch als zeitgeschichtliches Dokument.

„Wir haben uns über Jahrzehnte in einem unermesslichen Reichtum bewegt, von dem wir alle oft genug mit großer Selbstverständlichkeit profitieren konnten“, heißt es seitens des Vereins upArt. Nun halte der Kultur-Lockdown uns in seinem Griff und unterstreiche einmal mehr, welche Bedeutung Kultur für uns alle habe.

  • Alle Infos zu der Plakataktion „Miss You“ findet ihr hier

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