Kommentar

„Mit Respekt“ von Stefanie Dörre

Als im März die Whitney Biennial in New York startete, kam es wegen des Gemäldes „Open Cascet“ zu einer heftigen Kontroverse

Stefanie Dörre

Dana Schutz hatte den ermordeten afroamerikanischen Jungen Emmett Till gemalt, der 1955, im Alter von 14 Jahren, von Rassisten zu Tode geprügelt worden war. Im Kern ging es um den Vorwurf, die weiße Künstlerin beute Schwarzes Leid für ihren Profits aus. Ein Vorwurf, über den ich lange nachgedacht habe, doch ich finde das Thema so komplex, dass ich mir keine abschließende Meinung bilden konnte. Als nun vor kurzem der in Berlin lebende US-amerikanische Künstler Ryan Mendoza das Haus von Rosa Parks – abgebaut in Detroit und wieder aufgebaut im Wedding – präsentierte, war der Vorwurf der Ausbeutung Schwarzer Geschichte in Berlin angekommen. Ich habe mir die Arbeit angeschaut und finde weiterhin, die Dinge liegen sehr kompliziert. Erstens, da nehme ich mich nicht aus, geht die weiße Mehrheitsgesellschaft in Deutschland immer noch viel zu unsensibel mit Schwarzer Geschichte um. Rosa Parks’ Haus verdient Achtung auch jenseits der Kunst.  Zweitens kommt es auf Details an. Es ist wichtig, dass Parks Nichte Rhea McCauley den Künstler um Hilfe gebeten hat; dass ohne Mendoza das Haus jetzt zerstört wäre; dass er, nach anfänglichen Anfeindungen, die Schwarze Community vorort von seinem Vorhaben überzeugen konnte; dass er selbst findet, das Haus sei in Berlin am falschen Ort; und dass niemand es betreten darf – um Rosa Parks den ihr gebührenden Respekt zu erweisen.

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