Kommentar

„Mitte braucht die Inselgalerie“ von Stefanie Dörre

Der rot-rot-grüne Senat steht für Graswurzel-Kulturpolitik. Insofern sollte er sich für die Inselgalerie interessieren. Und sich für sie einsetzen

Die von einem Verein geführte Galerie in Mitte soll nämlich vor die Tür gesetzt werden, und zwar von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM. In deren Aufsichtsrat u.a. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und die Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Finanzen, Margaretha Sudhof, sitzen. Für die Torstraße 207 hat die WBM nun eine Strangsanierung angekündigt und der Inselgalerie sowie dem Verein Klik, der obdachlosen Jugendlichen hilft, gekündigt. Ihre Räume liegen an der Schaufensterfront zur Torstraße. Wo es boomt. Und wo man nach der Sanierung mit neuen, bodentiefen Fenstern leicht zahlungskräftige Mieter findet.
Für die Inselgalerie ist das eine Katastrophe. Das von der WBM angebotene Ausweichquartier ist wegen fehlender Toiletten für Veranstaltungen ungeeignet. So wird die Lesung mit der ehemaligen „taz“-Chefin Bascha Mika am 3. März (19 Uhr) wohl die vorerst letzte Veranstaltung sein für die Galerie, die seit 2002 jenseits von kommerziellen und hipsterisierten Interessen eine Kultur in diesen schnelllebigen Teil Berlins bringt, die im Kiez (und bei den WBM-Altmietern) verankert ist. Und die letztes Jahr Ruth Wolf-Rehfeldt mit wiederentdeckte, die jetzt zur documenta eingeladen ist. Will der Senat seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, muss er mit der WBM einen Weg finden, Inselgalerie und Klick ihren Platz in der Torstraße zu sichern.

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