Ausstellungen

„Modell Bauhaus“ im Martin-Gropius-Bau

bauhausDer Sarg ist im Martin-Gropius-Bau angekommen. Oder besser, das Sargmodell. Lothar Schreyer, Leiter der Bauhaus-Bühnenklasse, hatte in seinem Weimarer Atelier zwei „Totenhäuser“ aufgebaut. Die Originale sind längst vermodert, denn darin wurden Schreyers Eltern begraben. Doch der Entwurf für einen der beiden Deckel exis­tiert noch. Er ist ein sarggroßes Exempel für die esoterischen Tendenzen der Bauhaus-Anfänge. Und zudem eine Antwort auf die Frage, die Jubiläumsausstellungen ge­nerell aufwerfen: Was wird „Mo­dell Bauhaus“ über die runde Zahl 90 hinaus Neues präsentieren können?

Außergewöhnliche Exponate beispielsweise. Dazu zählt neben dem Sarg auch der afrikanische Stuhl (1921) von Marcel Breuer und Gunta Stölzl. Er galt als verschollen, bis sich eine alte Dame meldete. Ihre Familie hatte den „Gropius-Thron“ genannten Stuhl 1922 gekauft und seither zur Wohnzimmereinrichtung gezählt. Das Bauhaus-Archiv erwarb das gut erhaltene Stück. Es steht nicht nur für das Selbstbewusstsein des Gründungsdirektors Walter Gropius, sondern auch für den ästhetischen Sprung, den Breuer wenige Jahre später mit der Gestaltung seiner berühmten Stahlrohrstühle gemacht hat – die natürlich auch zu sehen sind.

„Wir werden in 18 Räumen die Entwicklungsgeschichte des Bauhauses zeigen“, sagt Klaus Weber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bauhaus-Archiv Berlin und Teil des vielköpfigen Kuratorenteams, das aus Mitarbeitern und Direktoren der drei Bauhaus-Institutionen besteht. „Modell Bauhaus“ ist mit 1000 Exponaten die umfassendste Bauhaus-Ausstellung, die es je gab. Die Grundstruktur ist chronologisch. Als Einschübe sind einzelnen Künsten, beispielsweise der Fotografie, eigene Räume gewidmet. Und das Ganze ist in Kontexte eingebettet: „Die 14 Jahre des Bauhauses sind exakt die 14 Jahre der Weimarer Republik, von seiner Gründung 1919 in Weimar bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten 1933 in Berlin. Das ist die Klammer der Ausstellung„, erklärt Weber.
Dazu kommt die Rezeptions­geschichte. Im Lichthof des Martin-Gropius-Baus thematisiert die amerikanische Künstlerin Chris­tine Hill die Trivialisierung des Bauhauses in der Konsumgesellschaft mit ihrer InstallationVolks­boutique„, und die Architekturtheoretiker Ilka und Andreas Ruby zeigen zehn Interviews zur heutigen Relevanz des Bauhauses.

Für die drei Bauhaus-Institutionen ist die Ausstellung der große Auftritt. Die letzte umfassende Schau liegt lang zurück, 1968 war das, in Stuttgart. Sie wurde maßgeblich von Bauhaus-Gründer Walter Gropius und anderen Protagonisten der Kunstschule bestimmt. Inzwischen sind alle Akteure bis auf einige hochbetagte Schüler verstorben. Doch dafür ist die Forschung sehr lebendig. 600 Wissenschaftler pro Jahr arbeiten allein im Lesesaal des Berliner Bauhaus-Archivs und publizieren ihre Ergebnisse. Zahlreiche Ausstellungen zu Einzelthemen wurden in den letzten 40 Jahren erarbeitet …

Den gesamten Artikel der tip-Autorin Stefanie Dörre lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 17/09.

Modell Bauhaus, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, tgl. 10-20 Uhr, Eintritt 12/8 Ђ, Mi 22.7. bis So 4.10.

Lesen hier: Die Dokumentation „Bauhaus – Modell und Mythos“ im Kino in Berlin

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