Ausstellungen

„Multaka“ von Stefan Hochgesand


„Diese Vase kommt aus einer Stadt nahe meiner Heimat. Diese Stadt gibt es jetzt nicht mehr“, sagt ein Mann im Pergamonmuseum. Er ist ein Besucher der kostenlosen „Multaka“-Führung für Geflüchtete. Einer von 25, die sich mittwochnachmittags um 15 Uhr an der Kasse trafen, um zu staunen – darüber, welche Wertschätzung man hier in Deutschland der Kunst auch aus ihrer Heimat entgegenbringt.
Nicht minder groß ist das Interesse im Deutschen Historischen Museum, das (wie auch das Bode-Museum) ebenfalls bei „Multaka“ mitmacht: Ein paar junge Frauen aus dem Irak finden das klasse, was sie in der Ausstellung sehen: wie Frauen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg das Land wieder aufbauten. Das macht ihnen Mut.
Die 19 Guides im Projekt haben allesamt Arabisch als Muttersprache. Sie sind selbst Geflüchtete. Manche haben Archäologie oder Kunstgeschichte studiert, aber das war keine Voraussetzung für den Job; vor allem sollten sie in der Lage sein, persönliche Biografien mit den Schaustücken der Museen zu verbinden. Kamen in der ersten Woche nur fünf bis zehn Menschen pro Museum, sind es inzwischen auch mal 50, sodass man spontan einen zweiten Guide anklingeln muss.
Die Leute hinter dem Projekt hoffen, dass noch mehr Museen mitmachen. Und sie wollen ab Februar Workshops anbieten, für Geflüchtete und Nichtgeflüchtete gemeinsam.
„Multaka“ ist Arabisch und heißt Treffpunkt. Dass ein Museum dies sein kann – trefflich!

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