Neues Museum

Museum Barberini in Potsdam

Flirrende Farben vor Flusslandschaft: Das Museum Barberini in Potsdam eröffnet mit einer Impressionisten-Schau der Extraklasse

Gustave Caillebotte: Die Brücke von Argenteuil und die Seine, um 1883, Privatsammlung
Gustave Caillebotte: Die Brücke von Argenteuil und die Seine, um 1883, Privatsammlung

Wer wintermüde ist, wird das Barberini schon auf dem Weg dorthin lieben. Selbst an einem mittel­hellen Morgen leuchtet die rekonstruierte Sandsteinfassade am ­Alten Markt in Potsdam. SAP-Mitgründer Hasso Plattner hat sich hier mit dem Eingang an der Südseite dieses Platzes und mit der Schauseite hinten zur Havel seinen Traum von ­einem Museum erfüllt, auf der Grundlage eines 250 Jahre alten ­Palais, das Friedrich II. einst hier bauen ließ. Und selbst wer mit diesem frischgeschrubbten barocken Glanz nicht viel anfangen kann, hat im Inneren des Museumsneubaus (Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht) nicht viel zu fürchten, sondern trifft hier auf drei Etagen nur auf klare Museumsarchitektur. Im weißen schlichten Treppenhaus gibt es dazu freie Blicke auf Flusslandschaft und Freundschaftsinsel.

Und es gibt richtig gute Kunst: Zur Eröffnung gleich in zwei Ausstellungen, bei der vor allem die größere, in den oberen zwei Etagen zu findende Impressionisten-Schau wie ein Antidepressivum wirkt. Museumsdirektorin Ortrud Westheider, vormals Bucerius Kunst Forum Hamburg, und ihrem Kuratorenteam ist es gelungen, ausgerechnet die allseits bekannten Themen Farbe, Licht und Landschaft der französischen Allstars Monet, Signac, Renoir oder Pissarro neu zu spielen.

In thematischen Reihungen und fast schon seriell anmutenden Hängungen sind Themengebiete wie Waldwege, Pappelalleen, Winterlandschaften, Gärten und natürlich Seerosenteiche so zusammengefasst, dass die damals ­schockierende Idee des schnellen, sich vom Motiv her wiederholenden Malens unter freiem Himmel im Vordergrund der Schau steht. Das vermittelt sich mit den über 70 Werken gut, gibt es aber nicht vor – wer sich einfach nur im Sinne dieser Impressionisten auf die reine Wahrnehmung ­konzentrieren möchte, also auf Werke wie Monets blau-rot-ockerfiebrigen Küstenabschnitt in „Petites-Dalles bei Ebbe“, auf Sisleys fliederfarbenen Pastelltraum „Mein Haus in ­Moret“, oder in Monets blaugrünen Seerosenteichen abtauchen möchte, kann das tun. Gerade diese Werke, in denen sich der Blick in der Unergründlichkeit des Wassers auflöst und langsam die Abstraktion beginnt, schlagen die Brücke zur zweiten Ausstellung „Klassiker der Moderne“ im Erdgeschoss, in der Munch, Nolde und Liebermann, aber auch Kandinsky und Klimt zu sehen sind.

Die Sammlung Barberini ist bisher noch gleichzusetzen mit der Privatsammlung Hasso Plattners, der mit Mattheuers monumentaler Skulptur „Der Jahrhundertschritt“ im Innenhof des Museums auch bereits ein Zeichen gesetzt hat. Diese gut zuzuordnende Provinienz ist in der Impressionisten-Ausstellung allerdings nicht so einfach: „Aus Privatsammlung“ steht dort oft, wieviel davon aus Plattners Besitz stammt, bleibt unklar. Seine launige Einlassung, er habe bereits alle Häuser und Golfklubs mit seinen Bildern vollgehängt, lässt aber auf einen größeren Sammlungsbesitz schließen (und auch auf die Probleme, die ein kunstsammelnder Milliardär so hat).
Dass es ohne Plattners Millionen das Haus nicht gäbe, ist klar. Wie abhängig es  aber von seiner Sammlung ist, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist mit den ersten beiden Ausstellungen ein echter Aufschlag gelungen. Berlin muss sich vielleicht nicht gleich warm anziehen, sollte sich aber auf frischen Wind aus Südwest einstellen.

Museum Barberini Alter Markt, Humboldtstr. 5 – 6, 14467 Potsdam, Mo, Mi – So 11 – 19 Uhr, jeden 1. Do im Monat bis 22 Uhr, 14 €/ erm. 10 €, bis 18 Jahre frei; „Im­pressionismus“ und „Klassiker der Moderne“ bis 28.5.
museum-barberini.com

Bewertungspunkte2

Mehr über Cookies erfahren