Ausstellungen

Museum der Dinge

Renate_Flagmeier_c_davidvonbeckerJa, was denn? Vom bunten Mix der Massen- und Warenproduktion, die in der Oranienstraße im Zentrum stehen, würde es ohnehin wohl nur ein Bruchteil in die Designsammlungen der großen Häuser schaffen. Genau das macht den besonderen Charme der Fabriketage aus, in der das Werkbundarchiv seine Sammlung präsentiert. Es geht um die oft übersehenen Dinge des Alltags, die sich trotzdem tief in die kollektive Erinnerung eingebrannt haben. Im Museum der Dinge geht es um Geschichte und Geschichten, um Zusammenhänge, die man hier im Wortsinn begreifen kann, denn hier werden die Exponate weitaus zugänglicher als in den Glasvitrinen der klassischen Museumsarchitektur präsentiert. „Offenes Depot“ heißt dieses Konzept, bei dem auf der einen Seite „die Sammlung im Aufbewahrungsmodus“ gezeigt wird, so die Kuratorin Renate Flagmeier (Bild). Hier sind die Objekte nach Formen sortiert, nach Dingarten oder historischen Zusammenhängen. Die Mittelachse der Räume wird als „Bedienungsanleitung“ genutzt, die den thematischen Zugriff besser ermöglicht und sich auf die Ideen des Werkbundes bezieht, der 1907 gegründet wurde, um in Deutschland die Alltagskultur zu reformieren.

Das ermöglicht wunderbare Einsichten, etwa wenn die „gute Tasse“, eine elegante, von Trude Petri für KPM entworfene Porzellantasse, neben der „bösen Tasse“ zum Stehen kommt, die zwar den Umriss von Petri kopiert, die schöne Linie jedoch mit Füßchen verdirbt, wie sie für Sammeltassen in den 50er-Jahren üblich waren. Viele Sammler unterstützen das Werkbundarchiv. Wer sonst soll sich um Sammlungen zu so bizarren Themen wie Lebensablaufbüchern, Frankfurter Küchen, gestickte Spruchbänder oder Phonotruhen kümmern? Im Museum der Dinge geht es tatsächlich nicht um die schwungvolle Repräsentation. Vielmehr versteht sich das Archiv als Labor und Experimentierfeld, bei dem das Publikum ausdrücklich aufgefordert ist, mitzumachen.

Werkbundarchiv – Museum der Dinge Oranienstr. 25, Kreuzberg; www.museumderdinge.de

Text: Nicolaus Schröder / Mitarbeit Siyuan He

Foto: David von Becker

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