Ausstellungen

Nach der Biennale ist vor der Biennale

Unbemerkt, mitten im EM-Fieber, ging am 15.6. die Berlin Biennale zu Ende. 63 Tage und vor allem Nächte war die Kunst zu Hause bei Freunden. Wo sonst sind denn die Kunstfreunde wenn nicht in Berlin, bei gefühlten 3,5 Millionen Künstlern, Kuratoren, Galeristen und sonst irgendwie mit der Kunstwelt verbandelten Menschen, die unsere schöne Stadt bewohnen.

Die Biennale sollte standesgemäß einen Höhepunkt in dieser an künstlerischen Reizen nicht armen Stadt bilden, doch stattdessen blieb sie ein Rätsel, ein ärgerliches Rätsel. Über die letzten Wochen sprach ich mit vielen der Kunstwelt zugeneigten und in ihr auch irgendwie aktiven Menschen, die schlicht und ergreifend keine Ahnung hatten, was die ganze Ausstellung überhaupt soll.

Biennale_LarsLaumann_Harry SchnitgerDiese Reaktion war insofern überraschend, als das sich diese (wenn auch subjektiv ausgewählte) Gruppe, ausnahmslos einig war. Manche hielten sich für nicht intelligent genug, andere wiegelten gelangweilt ab, weil sie schon genug schwache, kryptische und langweilige Ausstellungen in ihrem Leben gesehen haben und ganz andere, vor allem die, die eigens die Reise nach Berlin angetreten sind, waren verärgert.

Auch ich war enttäuscht, dabei versprach sich die Berlin Biennale ganz großartig. Die Neue Nationalgalerie wurde integriert, ein Nachtprogramm ersonnen und mit Adam Szymczyk und Elena Filipovic zwei junge, energiegeladene Kuratoren berufen, die nichts weniger, als die beste Kunstschau der Welt machen sollten oder wollten … zumindest war das die Hoffnung.

BiennaleUnd dann das … unfertige, unverständliche, verschachtelte Werke mit solch einer Theoriewut überladen, das selbst ein Kunstprofessor, der seine Studenten zur Exkursion nach Berlin geladen hat, völlig ratlos den Skulpturengarten und die Ausstellungen in der Nationalgalerie und in den Kunst-Werken verließ. Von ihm stammt aber auch der erhellendste Kommentar zu dem gesamten Unterfangen bb5. Weil ja auch die Presse gnädig war und Verrisse eher selten bis überhaupt nicht in den internationalen Kunstgazetten auftauchten, kann man davon ausgehen, dass auch die Kritiker sich nicht trauten zuzugeben, dass sie nicht ganz verstehen, was uns der Autor hier sagen wollte.

Der Kunstprofessor folgerte daraus, dass Szymczyk vermutlich ein derart schlauer, wenn auch zynischer Kopf ist, dass er das schon im Vorfeld geahnt hat und sich einen gewaltigen Spaß mit der Kunstwelt und ihren Instrumenten geleistet hat. Er gab ihr einen unverdaulichen Braten und schaute 63 Tage und Nächte zu, wie die Kritiker und Besucher an ihm langsam erstickten. Killing me softly with your art… und auf ein neues im Jahr 2010.

PS: Die Ausstellungen im Schinkel-Pavillon sind aus dieser Betrachtung ausgenommen.

Mehr über Cookies erfahren