Ausstellungen

Neue Fotografie aus Weimar

33Tage_Carina-Linge-FotoDie Ausstellung „somit bleiben 33 Tage“ zeigt Arbeiten von sieben jungen Fotografen aus Weimar. Der Kurator der Schau Dirk Teschner erinnert mit dem Ausstellungstitel an die verbleibende Zeit bis zur 90-Jahr-Feier der Bauhaus-Gründung (1919). Unter dem Stilbegriff „Neue Sachlichkeit“ wurde an der legendären Kunstschule auch die Fotografie erneuert. Realismus, Schärfe und Detailtreue waren Markenzeichen der neuen Strömung, die Fotografen wie Albert Renger-Patzsch und August Sander hervorbrachte. In den letzten Jahren blühte im Umfeld der Bauhaus-Universität eine neue Szene von Fotografen. Den größ­tenteils erstmalig gezeigten Werken, oft Abschlussarbeiten, attestiert Teschner eine besondere „Weimarer fotografische Handschrift“. Johannes Heinke etwa porträtiert in den klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Serie „doubtful boys“ junge Männer, die an gesell­schaftli­chen Normen zu scheitern drohen. Da ist Khresnik, ein Maler aus Albanien. Sein Vater weiß nicht, dass er mit einem Mann zusammenlebt. Oder Max, ein leidenschaftlicher Skater, aufgenommen direkt nach einem blutigen „Unfall“ mit einem Security-Fahrzeug.

Die Fotografen der Schau verbindet eine Gemeinsamkeit: Sie erzählen brennend aktuelle Geschichten. In der Werkgruppe „Einsamer Eros“ schildert Carina Linge menschliche Schick­sale zwischen Einsamkeit, sexueller Abhängigkeit, Depression und Tod und verwendet dabei die Motivwelt alter Meis­ter. Das gemalt wirkende Porträt einer halbentblößten Frau, die in den Händen ein rohes Ei hält, daneben ein Stillleben mit Blüten und zersprungenem Weinkelch als Vanitas-Motiv, auf einem anderen Bild ein beschnittener Gummibaum – alles Symbole von (weiblicher) Seelenpein. Von wichtigen Lebensstationen ihrer Großmutter, einer Heimatvertriebenen aus Schlesien, berichtet Nina Röder in der Serie „Theresia“. Die Künstlerin stattete Räume eines leerstehenden Hauses in Weimar mit originalen Tapeten, Möbeln und Kostümen aus und setzte sich selbst darin in Szene. Vertreibung, die Heirat des Sohnes und eine Marienerscheinung der strenggläubigen Großmutter kommen ebenso zur Sprache wie die durchscheinende zärtliche Hommage der Enkelin, die in ihre Haut schlüpfte.    

Text: Laila Niklaus
Bilder: Carla Linge, Nina Röder

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Somit bleiben 33 Tage
Neue Fotografie aus Weimar, in dem Projekt­raum der Galerie Jarmuschek+Partner, Sophienstraße 18, Mitte,
Di-Sa 14-18 Uhr, bis 30.1.2010

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