Ausstellungen

„Nicht selbst­verständlich“ von Stefanie Dörre

Wenn man in Berlin lebt und jeden Tag die Wahl zwischen so vielen hochklassigen Ausstellungen in Museen und Galerien hat, dann hält man das für normal und verliert ganz aus dem Blick, wie gut es uns geht. Die Ankunft der vielen Geflüchteten in Berlin jedoch hat deutlich gemacht, dass so viel Kunst nicht selbstverständlich ist, ebensowenig wie die Teilhabe daran. Umso erfreulicher, dass der Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung um 500.000 Euro für Projekte von und mit Geflüchteten erhöht wurde. Die Universität der Künste bietet jetzt Refugee Classes für professionelle Künstler und Designer an, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Geflüchtete erhalten freien Eintritt in Museen.
Dass Menschen aus Deutschland  fliehen mussten und schon der Besitz von Farbe und Pinsel eine Gefahr war – daran erinnert aktuell die Ausstellung „Kunst aus dem Holocaust“ im Deutschen Historischen Museum. Kunst als Widerstand. Kunstproduktion als Zeichen dafür, dass die Nationalsozialisten zwar die Körper ins Konzentrationslager stecken konnten, aber nicht die Gedanken. Ein Gemälde in der Ausstellung zeigt Adolf Hitler als betrunkenen Clown. Pavel Frantl hat sein Leben riskiert, als er es im Ghetto Theresienstadt malte, und  ein tschechische Bahnarbeiter, als er es von dort herausschmuggelte. Die Ausstellung eröffnet mit dem Gemälde „Der Flüchtling“ von Felix Nussbaum. Wenn man davor steht, erkennt man, wie gut es uns geht.

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