Ausstellungen

„No Joke“ bei Tanya Leighton


Selten gibt’s etwas zu schmunzeln im strengen White Cube. Da überrascht eine pfiffige, kleinteilige Gruppenschau, die dem Auge Poesie bietet und den grauen Zellen Esprit statt glatter, aufgeblasener Werke. Die gab es früher schon, wie das Herluf Bidstrups „Masterpiece“ veranschaulicht. Seine Karikatur verweist auf formale Parallelen zwischen einer eleganten Skulptur und Fiffis gedrechselten Hinterlassenschaften. Sie trägt ebenso zur Erheiterung bei wie Ad Reinhardts Comics oder Mike Kelleys Seitenhieb auf den Kunstbetrieb. „Lieber Sammler, kaufe mich“, ist auf seiner Zeichnung zu lesen. Die Empfehlung des Künstlers: Preiswert erwerben, anderentags „bei Christie’ s abladen“ und dann „ein zweites Haus in St. Moritz“ kaufen. Diese Papierarbeit dürfte solche Immobilienträume zwar nicht erfüllen, aber in jedem Witz steckt ein Korn Wahrheit. Internationaler Auktionswahnsinn und zunehmende Kommerzialisierung sprechen für sich. Mit „No Joke“ hat der in Amerika lebende, russische Künstler Sanya Kantarovsky eine erfrischende Gruppenausstellung für seine Galeristin Tanya Leighton kuratiert: Malerei, Zeichnung, Video und mehr von 18 Künstlern. Das menschliche Maß und nicht die Maßlosigkeit des Marktes beherrscht die vor Kurzem erweiterten Räumlichkeiten. Nicole Eisenman, Ebecho Muslimova, Pentti Monkkonen oder Michael Smith reflektieren ihr Metier auf originelle Weise.      

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Courtesy of the artists and Tanya Leighton, Berlin

Tanya Leighton Kurfürstenstraße 156 und 24-25, Schöneberg,?Di–Sa 11–18 Uhr, bis 27.6.

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