Ausstellungen

„Nonstoppainting“ im Haus am Waldsee

Christine_Streuli_go_north_c_DavidAebi_CourtesySammlungSteinrichSultierDie Künstlerin macht ihrem Namen alle Ehre, wenn sie in dem Riesenformat „Frank“ Südfrüchte und prilblumenartige Ornamente über die Leinwand verstreut, garniert mit mäandernden Tubeninhalten, die in ihrem Rosй an Zuckerguss denken lassen, ein pinkfarbenes Herz inklusive. Das klingt nun sehr nach harmlos-sinnfreier Post-Pop-Art. Und tatsächlich hat die 1975 in Bern geborene Christine Streuli von der Pop-Art amerikanischer Prägung profitiert: Roy Lichtensteins „Brush Strokes“ kommt hier ebenso als Zitat vor wie phosphorisierende Farbe – wie von Andy Warhol selbst angerührt. Doch im Unterschied zu den beiden betont Streuli das Handwerkliche in ihren Werken, auch indem sie das allzu Perfekte meidet. Sie beweist einen großen Sensus für das Haptische, arbeitet feine Japanpapiere ein und collagiert so raffiniert mit Scherenschnitten, dass der Betrachter allzu gerne wüsste, was sich hinter den verfremdeten Styroporpaletten verbirgt, die sie mit Goldfarbe nobilitiert hat. Sie wirken zugleich in der Fläche wie in der Tiefe.

Vielfältig ist die Wahl ihrer Techniken: So entwickelt sie All-over-Prints aus eigenen Bildern, greift zum Abklatschverfahren oder zu Schabern und Kratzern, montiert Arabesken aus Musterbüchern in sie hinein. Wer nun Streulis Ausstellung „Nonstoppainting“ im Haus am Waldsee besucht, wird überwältigt sein von der Fülle an Farben und Mustern. Durchaus möglich, dass manchem schwindlig wird angesichts des Horror Vacui auf den Leinwänden, die hinterfangen sind von tapetenartigen Wänden. Doch stiftet gerade der konsequente Rhythmus einer mit ihren Arbeitsutensilien bedruckten Wand Ruhe.

Text: Martina Jammers

Foto: David Aebi / Courtesy Sammlung Steinrich Sultier

tip-Bewertung: Sehenswert

Nonstoppainting Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, Zehlendorf, Di–So 11–18 Uhr, bis 5.1.2014

WEITERLESEN:

„The Unanswered Question. Iskele 2“ im Kunstraum Tanas  

Art Postale in der Akademie der Künste

Eran Schaerfs Soloschau in der ADK

Thomas Schütte im me Collectors Room Berlin

 

Mehr über Cookies erfahren