Ausstellungen

Notation in der Akademie am Hanseatenweg

adk_Notation_Steffner_FilmmaschineIhre jetzige Ausstellung am Hanseatenweg, „Notation – Kalkül und Form in den Künsten“, profitiert dabei sowohl von den Archiven der Akademie als auch von der Aufmerksamkeit ihrer Mitglieder für die Ästhetik von Aufschreibesystemen, Partituren und Notationen. Über 100 Jahre hinweg zeigen sich die Exponate der Ausstellung in ihren visuellen Strukturen miteinander verbunden, ob sie nun von experimentierlustigen Europäern aus den 20er Jahren, von amerikanischen Malern aus den 60ern oder gar erst aus der Gegenwart stammen. Auch, wie man Rhythmus und Bewegung auf dem Papier fixieren kann, hat Maler, Choreografen und Komponisten in gleichem Maße interessiert, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. So kann die Ausstellung ohne große erklärende Ansätze, allein aus der Anschauung große Bögen zwischen den verschiedenen Gattungen der Kunst schlagen. Zu sehen ist etwa, wie die Schriftsteller Walter Benjamin und Hubert Fichte große Gedankensysteme in winziger Schrift auf kleine Zettel packten, und das passt zu einem Video, das die Welt aus einer Entfernung von 1020 Meter betrachtet und in den Mikrokosmos bis 10-20 taucht. Den Werken abstrakter Maler gleicht, wie die Choreografin Trisha Brown ihre Tänze aufschreibt und der Komponist Mauricio Kagel seine Kompositionen (Foto). In Regiebüchern von Erwin Piscator und Bertolt Brecht spielt der Film eine große Rolle, den Brecht als Erinnerungsstütze ausprobierte, während bildende Künstler wie Oskar Fischinger oder Oskar Schlemmer auf den Filmbildern zu malen begannen. Andere wiederum transformieren die Linearität des Films und die Erfahrung des zeitlichen Ablaufs wieder in eine flächige Darstellung. Durch diese ständigen Übersetzungen zwischen den verschiedenen Systemen zeigt sich die Community der Künstler in dieser Ausstellung selbst wie eine harmonisch von sich hinwuselnde Gemeinschaft, die ihre Gedanken in mehr als einer Sprache teilt.

Text: Katrin Bettina Müller
Foto: Adk Steffner Filmmaschine

Notation – Kalkül und Form
in den Künsten Akademie der Künste,
Hanseatenweg 10, Tiergarten,
Di-So 11-20 Uhr, bis 16.11.2008

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