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Ostzeit – Ausstellung im Haus der Kulturen

Harald_Hauswald:_Marx-Engels-Platz_heute_Schlossplatz,1984Der Untertitel der Ausstellung gibt das Thema vor: „Geschichten aus einem vergangenen Land„. Es ist vergangen, und wir können uns damit beschäftigen, was und wie die Fotografen ihr Land aufgenommen haben. Man könnte es von außen betrachten und feststellen, dass die Wirklichkeit der DDR nicht eine Wirklichkeit war, sondern sehr viel unterschiedliche Wirklichkeit in sich barg. Man könnte meinen, diese Geschichte sei abgeschlossen, aber wenn man sich beispielsweise mit Harald Hauswald über Vergangenheit und Gegenwart unterhält, dann wird schnell klar, wie sehr uns diese Vergangenheit auch noch in Zukunft beschäftigen wird. Harald Hauswald geht mit seinen Bildern in die Schulen, um es etwas pauschal zu sagen, und zeigt seine Fotografien Jugendlichen, die erst nach der Wende geboren wurden und infolgedessen die Wirklichkeit der DDR überhaupt nicht kennengelernt haben. Trotzdem stellt er fest, dass in den Köpfen der Kinder und Jugendlichen dieselben Erinnerungsmuster eingepflanzt wurden, die einem begegnen, wenn man sich mit Zeitgenossen unterhält, die in der DDR gelebt haben.

Foto_von_Maurice_WeissDa gibt es tatsächlich Kinder, die allen Ernstes behaupten, die DDR sei ein Hort der Freiheit gewesen oder Ähnliches. Harald Hauswalds Bilder sprechen eine andere Sprache. Er war und ist ein Fotograf, der überall auf der Welt fotografieren kann, weil er mit seiner Kamera Kontakt zu Menschen findet. Deshalb konnte er auch in der DDR ungeschminkte Wirklichkeit einfangen. Vor seiner Kamera verstellte man sich nicht, versteckte sich nicht. Dass seine Bilder immer noch auf Widerspruch bei Menschen stoßen, die diese Wirklichkeit nicht wahrhaben wollten und auch heute noch nicht wollen, zeichnet im Übrigen gerade die Qualität seiner Aufnahmen aus. Diese Bilder haben überlebt und geben Aufschluss über die Menschen aus einem Land, das es nicht mehr gibt, ein Land, das aus circa 17 Millionen Einwohnern bestand mit Lebensentwürfen, die zum Scheitern verurteilt waren, zur Karriere einluden oder einfach nur müde machten. Man konnte sich anpassen und wurde in Ruhe gelassen. Das muss man immer wieder neu erzählen. Auch dafür sind die Fotos von Harald Hauswald eine hervorragende Grundlage, ist er doch unter anderem auch ein Meister der Ironie. Er zeigt eben auch, wie komisch Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklafften.

Wenn man Harald Hauswald zu der Szene derer zählt, die im damaligen Ostberlin unangepasst waren, so kann man genauso gut behaupten, dass Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler als Fotografen in der DDR etabliert waren. Sibylle Bergemann ist einfach eine aufmerksame Fotoreporterin, die sich selbst ein Denkmal gesetzt hat, als sie das Marx-Engels-Denkmal auf seiner Reise nach Ber­lin-Mitte begleitete. Das ist auf­regend, das ist sensibel, das entspricht dem Kunstwerk von Ludwig Engelhardt. Aber neben ihrer Tätigkeit als Modefotografin hat sie auch immer ein Auge für die Menschen der DDR gehabt. Das gilt auch für Ute Mahler, deren Fotos man ansieht, dass sie das Schöne liebt, aber keineswegs an den unschönen Seiten des Lebens vorbeikommt. Ihre Reportage über „Arbeiterinnen in der DDR“ ist so ein Statement, eine Do­ku­men­tation über Selbstbewusstsein und Angst, über Kraft und Schwäche. Sie ist nahe an den Men­schen, sie schont sie nicht und schönt sie nicht. Sie hat Respekt davor, wie sich diese Arbeiterinnen im Arbeiterstaat durchschlagen. Und auch Werner Mahler hat in der DDR die Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Er hat das Leben einer Abiturientenklasse verfolgt und eine Studie über das thüringische Berka gemacht.

Gummlin_1985_fotografiert_von_Sibylle_BergemannDas ist alles auch nur ein Ausschnitt aus der Wirklichkeit der DDR, wie man sie von außen und von innen betrachten kann. Am besten ist gleichwohl eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe des Fotografen. Schön ist im Übrigen, dass zu den Ostkreuz-Fotografen der DDR auch Maurice Weiss hinzugekommen ist, der eine westdeutsche Biografie hat. Von ihm werden in der Ausstellung Fotos zu sehen sein, die die Menschen beim Mauerfall zeigen. Und damit beginnt dann eine ganz neue Geschichte.


Text
: Qpferdach

Fotos:
Harald Hauswald, Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler, Maurice Weiss/Ostkreuz

Ostzeit – Geschichten aus einem vergangenen Land
Haus der Kulturen der Welt (Adresse + Googlemap), Mi-Mo 11-19 Uhr, 14.8.-13.9.2009,
Eröffnung: Do 13.8.2009, 19 Uhr
Das Buch zur Ausstellung erscheint Mitte August im Hatje Cantz Verlag, 288 Seiten, 180 Abb., 39,80 Ђ

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