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Paint the Town

berlin-Saatwinklerdamm„Es ist wirklich ein Phänomen: Unglaublich vielen Leuten fällt der Farbeimer runter, platzt auf und läuft aus“, sagt Benjamin
Nickel
. Nicht nur in Berlin, auch in anderen Großstädten wie Hamburg, New York und Los Angeles sind dem 33-Jährigen bunte Farb­flecken mitten auf der Straße oder auf dem Bürgersteig aufgefallen. Seit August 2009 veröffentlicht er Fotos davon auf seinem Blog „Paint the Town“: Meist weiße oder blaue Farbe, manchmal hat es auch ein parkendes Auto oder eine Hauswand erwischt. Jeder Fleck wird online auf einer Karte markiert. „So kann man vielleicht irgendwann Farbbrennpunkte ausmachen“, sagt Nickel.

Dahinter könnte man jetzt ein kurioses, ja vielleicht sogar subversives Kunstprojekt vermuten. Ungewöhnlich wäre das jedenfalls nicht. Denn erst im Frühjahr kippte Iepe B.T. Rubingh unter dem Motto „Painting Reality“ mehrere Farbkübel auf dem Rosenthaler Platz aus. Und im September stach der Street­art-Künstler Momo einen Eimer mit orangener Farbe an und lief damit durch die Straßen New Yorks. Die etwa zwölf Kilometer lange feine Linie ist das wohl längste Graffiti der Welt. Benjamin Nickels „Paint the Town“ hat mit solchen Aktionen nichts zu tun. Wenn überhaupt, so Nickel, handele es sich um zufällige Kunst: „Ich rufe nicht dazu auf, die Stadt bunt zu malen. Mir geht es um die Flecken, die aus Dummheit oder Ungeschicklichkeit heraus entstanden sind“, sagt Nickel.

Warum ständig Leute die Eimer fallen lassen, kann sich der Diplom-Politologe und Redakteur, der gerade von Berlin nach Hamburg gezogen ist, und im Bereich der Unternehmenskommunikation arbeitet, nicht erklären: „Mir ist das noch nie passiert, und ich kenne auch niemanden, dem das passiert ist. Aber ich sehe diese riesigen Flecken überall in der Stadt.“ Und die nimmt nicht nur er wahr, die meisten Fotos bekommt er von aufmerksamen Spaziergängern zugeschickt. Selbst der Obi-Baumarkt in der Ostseestraße habe das Problem anscheinend erkannt, erzählt er. Das Laufband zwischen Erdgeschoss und erstem Stock darf man nicht mit Farb­eimern betreten, dort sei sogar ein Verbotsschild aufgestellt worden. „In dem Sinne ist mein Blog auch eine Art Hilferuf“, sagt er. „Wenn jemand das Mysterium für mich löst, dann bin ich sehr dankbar.“ Bis es so weit ist, sammelt er weiter Fotos auf seinem Blog.

Text: Katharina Wagner

Foto: Benjamin Nickel

www.paintthetownblog.com

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