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Kunst & Politik

„Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg“ im Haus der Kulturen der Welt

Meinungsmache zu analogen Zeiten: Wie die CIA kulturelle Netzwerke nutzte und was das für Kunst und Künstler bis heute bedeutet, zeigt das HKW mit Parapolitik

Art & Language Picasso’s Guernica in the Style of Jackson Pollock, 1980 Leim, Karton, Leinwand, Ölfarbe, Papier, 356,5 x 788 cm

Die CIA hat in Zeiten des Kalten Kriegs ihre weltumspannenden Netzwerke ähnlich skrupellos eingesetzt wie heute die NSA. Es ging um Kulturelle Hegemonie, um den Kampf der Systeme und entsprechend um den Kampf der Köpfe, und der wurde mindestens so intensiv geführt wie heute in den sozialen Netzwerken. Das Haus der Kulturen der Welt zeigt jetzt mit „Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg“ nicht nur wo, wie und durch wen dies passierte, sondern versucht vor allem den Nachwirkungen dieser Einflussnahme nachzugehen.

„Kunst war zu dieser Zeit ein Softpower-Mittel“, sagt HKW-Kurator Anselm Franke. Wie man seit 1967 weiß, finanzierte die CIA wichtige Kulturorganisation wie den „Kongress für kulturelle Freiheit“ (Congress for Cultural Freedom, CCF). Der stellte in dreißig Ländern, darunter viele sogenannte Schwellenländer, die sich im Prozess der Entkolonialisierung befanden, ambitionierte Kulturprogramme auf und gab Magazine heraus. Ihm gehörten viele linksliberale, antistalinistische Schriftsteller und Künstler an, unter anderem T.S Eliot und der Herausgeber des „Monat“, Melvin Lasky, der die Organisation 1950 in West-Berlin auch gründete.

Im selben West-Berlin wurde fast zur gleichen Zeit das HKW gebaut, dass die Initiatorin und Schwester des CIA-Chefs, Eleonore Dulles, als „Hort der Freiheit“ bezeichnete. Hier hat jetzt Anselm Franke zusammen mit Nida Ghouse, Paz Guevara und Antonia Majaca die Geschichte des Congress for Cultural Freedom als Ausgangspunkt für die Ausstellung gewählt.

Zu sehen sind sowohl Archivmaterialien aus dieser Zeit, zum Beispiel in Form von Magazinen, die vom CCF finanziert wurden, als auch einige zeitgenössische Arbeiten, die sich generell mit der Beeinflussung von Kunst und Künstlern, aber auch mit deren Widerstand beschäftigen. Exemplarisch zeigt das die Arbeit „Stalin by Picasso“ von Lene Berg, die sich mit der Vereinnahmung des Großmeisters durch die Kommunisten auseinandersetzt, oder das große Rechercheprojekt der Londoner Otolith-Gruppe „The Nucleus of the Great Union“. Die Gruppe geht den komplizierten Verflechtungen und unausgesprochenen Verdächtigungen nach, in denen sich auch ein bedeutender afroamerikanischer Romancier wie Richard Wright in Zeiten der afrikanischen Befreiungskämpfe während seiner Afrika-Reisen wiederfand.

Arbeiten wie diese sind entsprechend des Themas und der umfangreichen Recherchen komplex und verlangen dem Besucher Zeit für das einzelne Werk ab.

Es gibt aber noch eine weitere wichtige Gruppe in der Ausstellung, die zugänglicher, wenn auch nicht weniger anspruchsvoll ist: Die Nachkriegsmoderne, die hier unter anderem mit Sigmar Polke, Gerhard Richter, Wolf Vostell, Frank Stella oder Samuel Beckett sehr prominent besetzt ist. Gerade Polkes „Höhere Wesen befahlen…“ und Becketts manisch herumirrende Figuren in der Videoarbeit „Quadrat I+II“ sind genau richtig am Platz, um das Ringen einzelner Künstler um künstlerische Autonomie in dieser wie eigentlich in jeder Zeit zu zeigen.

Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Mi–Mo 11–19 Uhr, bis 8.1.

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