Ausstellungen

Pawel Althamer im Deutschen Guggenheim

Pawel_AlthamerIm gläsernen Käfig nehmen zwei Frauen einen Abdruck vom Gesicht einer Freiwilligen, während ein junger Mann die Masken mit dem letzten Feinschliff versieht. Fertige, weiße Skulpturen säumen die Ausstellungshalle. Es sind menschliche Figuren, geformt aus einem Metallskelett und Kunststoffbandagen, mit den Porträts der Besucher. Sie alle halten die Augen geschlossen wie Tote, stehen oder sitzen in der Kunstfabrik, die Pawel Althamer eingerichtet hat. Der polnische Künstler, der in Aktionen und Installationen immer wieder die Grenzen des Kunstbetriebs infrage stellt, hat die Arbeiter aus einem Vorort von Warschau mitgebracht. Dort befindet sich die Plastikfabrik seines Vaters, die der Ausstellung ihren Namen gibt: „Almech“. Zwei altertümliche, grüne Plastik-Maschinen rattern vor sich hin, importiert aus seiner Heimat. Geräuschvoll verrichten die Kessel ihren Dienst in einem zweiten Schaukubus aus Glas.

Seit Mitte der 90er-Jahre entwickelt der Künstler auf den Spuren der „sozialen Plastik“ Projekte mit Kindern, Obdachlosen, Nachbarn und Freunden. Diesmal sind es die Angestellten der Deutschen Bank, Guggenheim-Mitarbeiter und -Besucher, deren Gesichter in die Kunstgeschichte eingehen. Sie waren eingeladen, sich online zu bewerben, um als Skulptur Teil der Schau zu werden. Sitting Bull trifft dort auf eine Frau mit Freiheitsstatue. Pierre und Hans Joachim sind noch in Arbeit. Es ist schön, den Arbeitsprozess künstlerisch gewürdigt zu wissen. Nicht zu vergessen, dass die schnelle Kunstproduktion bei manchen von Althamers Kollegen einer Fabrikation nicht unähnlich scheint. Gute Anspielung!

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Piotr Trzebinski/Pawel Althamer 2011/neugerriemschneider,Berlin/Foksal Gallery Foundation, Warsaw

tip-Bewertung: Sehenswert

Pawel Althamer: Almech Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13-15, Mitte, Mo–So 10–20 Uhr, 24.+25.12. geschlossen; 31.12. 10–16 Uhr, 1.1. 14-20 Uhr, bis 16.1.2012

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