Minimalismus

Peter Roehr bei 37 Works Grisebach

Radikale Reihe: Der früh verstorbene Peter Roehr erkundete das Serielle

Peter Roehr/
Foto: Peter Roehr/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Es ist erstaunlich, was für ein radikales, kohärentes und eigenständiges Werk dieser Peter Roehr in seinem kurzen Leben geschaffen hat. In nur knapp fünf Jahren künstlerischen Schaffens entstanden in manischer Geschwindigkeit 600 Arbeiten, bevor Roehr kurz vor seinem 24. Geburtstag im August 1968 starb. Man muss ihn wohl einen Frühvollendeten nennen, ein Begriff, der mit dem „Geniekult“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbunden ist und gegen den sich Roehr sicher heftigst auflehnen würde, ging es ihm doch auch um die Minimierung künstlerischer Gestaltung, um ein Ende des Pathos, gegen das „Genie“.
Stattdessen setzte er auf eine geradezu brutale Serialität, die er obendrein noch aus industriellen Bildvorlagen, insbesondere Werbebildern, oder Materialien herstellte. Kein Wunder also, das einige seiner Werke, insbesondere die spät entstandenen zehn „Schwarzen Tafeln“, zu ikonischen Werken deutscher Kunst nach 1945 wurden. Das Auktionshaus Grisebach zeigt nun 37 Arbeiten dieses genialen Genieverachters, die eigentlich alle großartig sind: von den ausgeschnittenen Kaffeebohnenbildern über die aneinandergereihten, immer gleichen Bilder von Automobil-Interieurs bis hin zu den radikal reduzierten Reihungen von Buchstaben, geometrischen Formen, schließlich nur noch schwarzen und weißen Feldern. Um im Thema der Serialität zu bleiben: Hingehen! Hingehen! Hingehen!

Peter Roehr – 37 Works Grisebach, Fasanenstr. 27, Charlottenburg, Mo–Fr 10–18.30 Uhr, Sa 11–14 Uhr, bis 29.10.

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