Ausstellungen

„Phantastiken. Lou Scheper-Berkenkamp“ im Bauhaus-Archiv

phantastiken_c_HinnerkScheper_NachlassScheperBerlinDer Hund trippelt auf Streichholzbeinchen, bäuchlings ist eine Kohlenklappe appliziert, und aus dem Schwanz kommen Rauchwölkchen.  Und in ihrem Aquarell „Die himmlische Schutzpolizei“ von 1930 ironisiert die Bauhäuslerin Lou Scheper-Berkenkamp (1901–1976) aufs Köstlichste den „geflügelten Eilboten“ – einen Zwitter aus Oskar-Schlemmer-Figurine und Pickelhaubenträger der verblichenen Kaiserzeit. Mit Engagement hatte sie sich gleich 1920 in die Gründerjahre des Bauhauses gestürzt, wo sie sich in der Werkstatt für Wandmalerei ausbilden ließ. Maßgeblich war für sie, dass sie dort sämtliche Grundlagen der Malerei erlernen konnte. Sie war Schülerin von Feininger, Klee und Schlemmer. Diese breite Ausrichtung bot ihr ein solides Fundament, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie mit der Farbgestaltung der Innenräume der Berliner Philharmonie und der Staatsbibliothek beauftragt.

Neben solch ’staatstragenden‘ Aktionsfeldern widmete sich Scheper dem Illustrativen, ihr eigentliches Element ist im Schnittpunkt zwischen dem Künstlerischen und dem Literarischen zu sehen, der sich in ihren liebe- wie qualitätvollen „Bilderbriefen“ an Freunde und Familie niederschlägt. Über die Jahrzehnte hinweg schlägt sie Brücken zu beruflich oder politisch bedingt Getrennten mit ihrem gemalten „Zoo-Lou-gischen Garten“. Anrührend ihre Zeichnungen von Outcasts der russischen Gesellschaft: Bettler, Trinker und Krüppel. Im Zehlendorfer Domizil entstehen um 1950 ihre anspielungsreichen Kinderbücher im Pixi-Format, wie „Knirps“ – ein Trostbuch für einen beim Spielen mit Munition verletzten Jungen. Das Bauhaus-Archiv konnte in seiner lohnenden Schau auf den überreichen Fundus ihrer Familie zurückgreifen und damit zeigen, dass die Bauhäuslerin vor allem im Freikünstlerischen reüssierte. Zielstrebig bahnte sich Scheper in oft unübersichtlichen Zeiten ihren eigenen Weg: „Ich bin und werde sein: luftlinientreu.“

Text: Martina Jammers

Foto: Hinnerk Scheper / Nachlass Scheper

tip-Bewertung: Sehenswert

Phantastiken. Lou Scheper-Berkenkamp Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstraße 14, Tiergarten, Mi–Mo 10–17 Uhr, bis 14.1.

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