Ausstellungsexperiment

Philippe Parreno im Martin-Gropius-Bau

Die Choreographie der Hefe: Philippe Parreno macht den Gropius Bau zum atmenden Organismus

© Philippe Parreno

Seit mehreren Jahren experimentiert der französische Künstler Philippe Parreno mit dem Format Ausstellung, mit den Parametern des Zeigens und der Kontrolle des Geschehens. So ähnelt die jetzt im Martin-Gropius-Bau anlaufende, erste große institutionelle Ausstellung dieses Künstlers denn auch mehr einem Experiment und einer flüchtigen, lichten Choreographie als einer klassischen Kunstausstellung mit wuchtigen Exponaten. Schon der Lichthof empfängt den Besucher mit einer beinahe meditativen Atmosphäre. Der Boden ist schwarz ausgelegt, ein langgezogener künstlicher Teich spiegelt je nach Blickwinkel die lichtdurchlässige Decke und die rundherum liegenden Räumlichkeiten, während in der Stadt aufgenommene Sounds die Oberfläche des Wassers mit konzentrischen Kreisen überziehen. Dazu dreht sich eine schwarze Sitzgruppe und auf Projektionstafeln werden nach einem Algorithmus hunderte von Parrenos Glühwürmchen-Zeichnungen projiziert, von denen auch einige Originale zu sehen sind. In einem der direkt an den Lichthof angrenzenden Räume fliegen mit Helium gefüllte Fisch-Ballons durch ein mit Folien sanft-orange getöntes Licht. Die Regieanweisungen für alle Ereignisse in den Räumen, wie das automatische Herab- und Herauffahren von Jalousien, das Ein- und Ausschalten von Licht und Sounds, stammen von Parreno, sind aber mit einem Bioreaktor, einer lebenden Hefekultur verbunden, die ständig Informationen mit dem Computer austauscht und die Ausstellung nach und nach zu einem quasi lebenden Wesen macht, indem der Mikroorganismus auf den Computer zurückzuwirken beginnt. So entsteht eine Ausstellung, die selbst das Werk ist und den Gropius Bau tastend erkundet und ihn nach außen öffnet. Vor allem entsteht aber auch durch die minimale Beanspruchung der Räume ein Erlebnisraum, der genug Platz zum Träumen lässt.

Philippe Parreno. Immersion-Exhibition 4 Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, bis 5.8., Mi–Mo 10–19 Uhr, Eintritt 10, erm. 7 €

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