Ausstellungen

Pierre Soulages im Martin-Gropius-Bau

Pierre Soulages

„Die einzige Antwort, die sämtliche im Dunkel unseres Selbst und im Geheimnis der Malerei verborgenen Gefühle umfasst, lautet: Darum.“ Pierre Soulages, 90, ist konsequent, auch im Denken und Reden. Seit 63 Jahren malt er schwarze Bilder oder zumindest fast ganz schwarze. Dabei geht es ihm um das Licht, das von der Farbe reflektiert wird. „Sobald ein Gemälde auf ein Sujet verweist, verliert es an Präsenz“, findet der Künstler.
Er selbst ist von stiller, eindringlicher Präsenz und natürlich ganz in Schwarz gewandet. An Heiligabend wird er 91 Jahre alt, der wichtigste lebende Künstler Frankreichs. Er hat es sich nicht nehmen lassen, seine Retrospektive, die schon im Centre Pompidou zu sehen war, selber mit einzurichten. In der Mitte des Rundgangs trifft der Besucher auf einen schwarzen Raum, in dem vier Gemälde von der Decke hängen. Man fühlt sich wie in einer Gruft und gelangt tatsächlich dahin, wo Soulages einen haben will: „Ich male, damit der Betrachter vor dem Bild zu sich selbst finden kann.“ Kein Schnickschnack, keine Reizüberflutung hindern ihn daran.
Rund 70 Bilder sind versammelt, die ersten entstanden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die breiten Pinselstriche in kalligrafischer Manier ähneln denen des deutschen Informel-Künstlers Hans Hartung, mit dem Soulages befreundet war. Heute befinden sich seine Gemälde in über 100 Museen. Nächstes Jahr wird in seinem Geburtsort Rodez ein eigenes Museum eingeweiht. Der Altmeister möchte es auch für die aktuelle Kunst öffnen.

Text: Andrea Hilgenstock

tip-Bewertung: Sehenswert

Pierre Soulages, Martin-Gropius-Bau, Mi-Mo 10-20 Uhr, bis 17.1.

 

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