Ausstellungen

Christoph Frank im Gespräch

chris_Frank_c_Harry_schnittgerPlatoon Kunsthalle ist ein provokanter Name.
Stimmt. Und den Begriff haben wir auch bewusst gewählt, als wir vor drei Jahren die erste Platoon Kunsthalle in Südkorea eröffnet haben. Es gibt weltweit so viele kreative und künstlerische Projekte, die niemals in den traditionellen Kunsthallen ausgestellt werden, aber eigentlich dort hingehören. Beispielsweise Schachboxen, das ist eine Kunstperformance gewesen und inzwischen gibt es zahlreiche Schachboxclubs, sodass es sich fast zu einer sozialen Plastik entwickelt hat. Genauso wie Urban Gardening eigentlich auch von Joseph Beuys erfunden wurde.

Was wollen Sie zeigen?
Unser Ansatz ist nicht, die klassische Fine Art zu repräsentieren. Wir wollen die Sachen zeigen, die im Hamburger Bahnhof nie akzeptiert werden und trotzdem künstlerisch super-spannend sind. Vieles davon kann man auch gar nicht normal ausstellen. Deshalb haben wir Symposien, Performances, Workshops, Events und Podiumsdiskussionen. Neben größeren Themenausstellungen wie Video-Mapping oder DIY-Culture zeigen wir auch immer zwei Einzelkünstler in den Showcases an der Straßenfront.  

Ein Referenzpunkt ist die Kunsthallen-Diskussion.
Als wir beschlossen, auch in Berlin eine Platoon Kunsthalle zu eröffnen, war klar, dass das hier neben der kulturellen auch noch eine politische Brisanz hat. Aber vielleicht entspannt es ja auch die Diskussion, da der Begriff verbrannt ist. Wowereit hat sich da total verrannt und selbst die Künstler kritisieren seine Kunsthalle.

Sie werben für Volkswagen und Adidas.
Die interessieren sich für uns, weil wir den Kontakt in die Subkultur haben. Wir haben aber auch fünf Jahre die Mindestlohnkampagne für Verdi gemacht und dabei neue Aktionsformen entwickelt, beispielsweise gemeinsam mit Iepe Rubingh Kreuzungssperrungen, die er vorher schon als Kunstform gemacht hat. Das haben wir übertragen in eine Kampagne zum Thema Ausbildungsstau.

Können Künstler verhindern, dass ihre Ideen für Werbung benutzt werden?
Am 20. Juli werden wir hier unter dem Titel „Sellout“ die Frage diskutieren, an welcher Stelle sich Kultur und Kunst selbst verkaufen, wenn sie sich mit Brands einlassen. Klar würde jeder Künstler sich lieber vom Hauptstadtkulturfonds fördern lassen. Aber die Realität ist: Die Industrie will Kunstprojekte sponsern, der Künstler will das Geld und damit möglichst frei seine Ideen umsetzen. Das ist eine zu verhandelnde Beziehung.

Interview: Stefanie Dörre

Foto: Harry Schnittger

Platoon Kunsthalle Berlin Schönhauser Allee 9, Mitte, tgl. 10–24 Uhr, Start Fr 20.7., www.platoon.org

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