Ausstellungen

„From a Poem to the Sunset“ bei Daimler Contemporary

Der Potsdamer Platz ist ein unwirtlicher Ort. Mittendrin findet sich die Kulturoase von Daimler Contemporary. Wer den unscheinbaren Eingang findet, kann im vierten Stock eine inspirierende Schau genießen, die Zeitgenössisches aus China neben internationale Werke stellt und hängt – solche, die im Dialog stehen mit chinesischer Formsprache, oder Themen wie Naturstrukturen. Der Leipziger Maler Max Uhlig, Jahrgang 1937, suchte in den Neunzigern intensiv den Austausch mit chinesischen Kollegen. Man sieht es daran, wie er den Pinsel zur Zeichnung nutzt. Qiu Zhijie wiederum pervertiert die althergebrachte Kunst der Kalligrafie. Normalerweise gelten strengste Regeln, in welcher Reihenfolge Bestandteile einzelner Schriftzeichen zu schreiben sind. Jedes Schulkind lernt sie in China in- und auswendig. Qiu Zhijie aber tuscht sie frech rückwärts. Das Ganze filmt er und spielt den Film abermals rückwärts ab. So entsteht der Eindruck, dass er die Zeichen durch den Pinselstrich auslöscht. Harmlos geht anders in China. Natürlich macht Daimler einen Riesenumsatz im Land der Mitte, gut zehn Prozent seines Weltumsatzes. Politische Kritik in der Schau bezieht sich also lieber mal auf das 13. Jahrhundert statt subversiv auf die Gegenwart. Trotzdem spannend! Man darf sich auf den zweiten Teil im September freuen, wenn Foto und Skulptur im Fokus stehen.   

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Hans Georg Gaul Berlin/ Daimler Art Collection Berlin Stuttgart

Daimler Contemporary
Haus Huth, Alte Potsdamer Str. 5, Tiergarten,?tgl. 11–18 Uhr, Eintritt frei?33335

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