Ausstellungen

„Puppen des Grauens“ von Stefan Hochgesand

Stefan Hochgesand
Wir leben in einer politischen Welt. Um das zu spüren, braucht man kein Museum. Aber es fällt doch auf, dass der Martin-Gropius-Bau im zweiten Jahr in Folge eine Ausstellung macht, die man als China-politisches Statement verstehen muss: Der Fotografin Liu Xia ist die aktuelle Schau gewidmet, die unter Hausarrest steht. Der Vergleich mit Ai Weiwei liegt auf der Hand – und führt doch in die Irre. Ai Weiwei darf sein Land nicht verlassen, Liu Xia kaum ihre Wohnung. Nur mit Polizei. Die Bilder, die Kurator Gereon Sievernich organisieren konnte, stammen aus den Neunzigerjahren. Leihgaben aus New York. Neuere Arbeiten gibt es zwar, aber es sei, so Sievernich, unmöglich, sie aus China rauszubringen. Wir erinnern uns: Für die Ai-Weiwei-Ausstellung letztes Jahr gelangten gigantische Container voller Systemkritik ohne Zwischenfall von Peking nach Berlin. Warum bei Liu Xia diese Strenge? Ihre düsteren Fotografien, auf denen angsteinflößende Puppen gefoltert und erhängt werden – sie können einem schon das Fürchten lehren. Aber Liu Xia ist eben auch die Frau des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, der hinter Gittern sitzt. Leider stellt die Schau das ein bisschen zu sehr zur Schau: Ein gutes Drittel der Fläche geht drauf für Stühle, von denen aus man sich die Nobelpreislaudatio anschauen kann. Ein bisschen mehr Vertrauen in die Kraft der Kunst hätte ich mir gewünscht.

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