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Qpferdach 1948-2015

Qpferdach 1948-2015

Die Nachricht war ein Schock. Qpfer ist tot, gestorben bei einer Fahrradtour auf Mallorca. Qpfer nannten ihn alle.Man war sofort beim Du. Mit Qpferdach zeichnete er seine Artikel. Hans-Joachim Wacker hieß er bürgerlich. Doch Qpfer war 1948 geboren, in Duisburg, nur drei Jahre nach Kriegsende, in einer Zeit, in der es sich noch lohnte, die Bürgerlichkeit abzuwerfen. An heißen Tagen lief er in guter Hippietraditon barfuß durchs Büro. Im Sommerurlaub schlief er in einem französischen Weinberg unter einer großen Plastikplane. Sein schwarzes Fahrrad pinselte er gelb an, um es besser wiederzufinden. Seine Lederjacke sah aus, als wäre sie 100 Jahre alt. Dazu trug er oft blaue Hemden. Das sah ziemlich gut aus zu seinen kupferfarbenen Haaren. Ob er sich darüber jemals Gedanken gemacht hat, ist unklar. Qpfer war durch und durch unkonventionell. Ohne deswegen gleich unhöflich zu sein. Borniertheit, Angeberei, Geschichtsvergessenheit – das konnte ihn richtig wütend machen, in seinen Artikeln wie privat.
Aber die Menschen mochte er unheimlich gern. Als er im Sommer 2010 beim tip aufhörte, hatte er vor allem zwei Dinge vor. Er wollte mit seiner Frau Heidi deren betagte Mutter pflegen. Und er wollte viel Zeit mit seinen Enkeln verbringen. Glück hat Qpfer nicht als Egotrip begriffen, sondern als Familienangelegenheit. Obwohl er in zwei Feldern gearbeitet hat, in denen Selbstdarsteller an der Tagesordnung sind: im Journalismus und in der Kunst.
Qpfer, 1969 zum Studium nach Berlin gezogen, war „taz“-Urgestein, streitbar, eine Persönlichkeit. Anfang der 1990er-Jahre kam er zum tip. Mit wem von den Kollegen man auch spricht, alle erinnern sich, wie er ihnen in ihrer Anfangszeit so sehr geholfen hat. Junge Talente zu fördern, darin war er ganz groß. Ein echter Mentor. Mutmacher. Nicht er selber wollte im Mittelpunkt stehen, sondern er freute sich dann am meisten, wenn andere, die er förderte, den verdienten Erfolg hatten. Autoren wie Künstler.
Qpfer, neben kunst- auch sportversessen, erzählte manchmal von früher. Damals hätte es offenbar ein Schild geben müssen: „Redaktionskonferenzen gefährden Ihre Gesundheit.“ So viel, mag man den Geschichten glauben, wurde damals dabei geraucht und getrunken. Mit dem Rauchen, Filterlose, hatte Qpfer vor vielen Jahren aufgehört, als der Arzt das dringlich, also mit Todesandrohung empfahl. Gesunde Lebensführung. Sport. Alle Wege mit dem Fahrrad. Unter der Woche klapperte er mit seiner alten Gurke die Galerien ab. Am Wochenende stieg er, technisch hochgerüstet, aufs Rennrad. 100 Kilometer, ein Katzensprung.
In diesem Frühjahr fährt er, wie seit vielen Jahren, mit einer Gruppe von Freunden Rennrad auf Mallorca. Berlin ist kalt. Auf Mallorca blühen die Mandelbäume. Sie machen eine Bergetappe. Den Randa hoch. Den Randa runter. Die Fahrt ist schnell. Da bleibt Qpfers Herz plötzlich stehen. Er stürzt. Ist tot. Qpfer ist an seinem Lieblingsberg gestorben, sagt seine Frau Heidi. Das ist ein kleiner Funke Trost in einer tottraurigen Nachricht.
Qpfer, du fehlst uns.  

Eva Apraku, Jens Berger, Robert Bleil, Karim Bouchouchi, Iris Braun, Christian Bug, Heiner Deja, Stefanie Dörre, ­Michael Z. Fischer, Uwe Gaschler, Natalia Geb, Britta Geithe, Smetty Gensch, Constanze Groß, Dirk Grünheit, Volker Gunske, Erik Heier, Karl Hermann, Claudia Harder, Christine Heise, Elke Hemmen, Andrea Hilgenstock, Eva-Maria Hilker, Bodo Hoffmann, Alfred Holighaus, Axel Jakobi, Martina Jammers, Jenni Jentzsch, Ronald Klein, Andrea Kloidt, Heike Korge, Michael Langenstein, Peter Laudenbach, Olaf Leitner, Hagen Liebing, Kai Liedtke, Dorit Loock, Marko Markowicz, Julia Martineck, Bernd Maywald, Christiane Meixner, Hans-Jürgen Meurer, Natalie Moritz, Katrin Bettina Müller, Betty Myller, Erik Neumann, Sönke Lars Neuwöhner, Sassan Niasseri, Ruth Nicolay, Tom Nöske, Lars Penning, Angelika Philipp, Sven Poser, Puschel, Babette Rautenberg, Regina Reddig, Robert Rischke, Carola Rönneburg, Ingeborg Ruthe, Carsten von Ryssen, Bernd Sauer-Diete, Harry Schnitger, Denise Schöwing, Ingo Schütte, Christine Seibold, Annika Silja Sesterhenn, Elena Skobalj, Jacek Slaski, Dana Sohrmann, Anita Staud, Armin Stolz, Klaus Stemmler, Constanze Suhr, Christoph Terhechte, Dirk Teuber, Melanie Thamm, Kerstin Vogel, Sabine Vogel, Claudia Wahjudi, Marcus Weingärtner, Robert Weixlbaumer, Michael Werzinger, Barbara Wiegand, Sonja Witkowski, Martin Zeisig, Heiko Zwirner

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