Ausstellungen

Rabindranath Tagore im Museum für Asiatische Kunst

Rabindranath_TagoreMan kennt seine Lebensweisheiten und vielleicht noch seine Naturlyrik, für die erhielt der indische Dichter und Philosoph 1913 den Literatur-Nobelpreis. Doch Rabindranath Tagore war auf vielen Gebieten kreativ, er komponierte und malte auch. Nun kann man seine Bilder im Asiatischen Museum erleben. Er gilt als Wegbereiter der indischen Moderne, der mehr als 2.500 Werke hervorbrachte, und so hat das Ministerium für Kultur in Neu Delhi anlässlich Tagores 150. Geburtstags eine Auswahl davon auf Weltreise geschickt.

Es ist eine feinsinnige Seelenmalerei, die dem Betrachter der 98 Tuschearbeiten begegnet: lyrische Landschaften auf Papier, frei fantasierte Fabelwesen, ideelle Porträts und zwischenmenschliche Szenen. Düster setzt Tagore – der mit 14 seine Mutter verlor, mit 40 die Ehefrau und weitere Angehörige – seine Figuren ins Bild, oft mit Gesten und Posen wie in einem Theater. Die Bühne des Lebens hat er vom Ende her im Blick, füllt sie mit tänzerischem Rhythmus, Melancholie und vor allem Harmonie. Erst mit 67 Jahren begann der lebenserfahrene Schriftsteller zu malen. Er könne sich das Weltall als ein „Weltall von Linien“ vorstellen, schrieb er über seine Bilder, die Versen in Linien gleichen. Der „unbewusste Mut des Unwissenden, der wie der Träumer auf gefährlichen Pfaden wandelt und nur gerettet wird, weil er blind ist der Gefahr“ habe ihm den Tuschpinsel gelenkt. Sein Tod im Alter von 80 Jahren setzte dieser traumverlorenen Wanderung 1941 ein Ende.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Sammlung Rabindra Bhavana Shantiniketan

tip-Bewertung: Sehenswert

The Last Harvest: Rabindranath Tagore Museum für Asiatische Kunst, 30.10.2011

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