Ausstellungen

„RAF – terroristische Gewalt“ im DHM

Andreas Baader klimpert in einem Videomitschnitt mit grotesk angeklebten Wimpern während einer Demo in Berlin in Richtung aufgebrachte Bürger. Ein Provokateur, ein selbstverliebter Dandy, festgehalten auf einem ruckelnden Filmmitschnitt. Kurze Zeit später wird dieser Dandy zusammen mit Gudrun Ensslin zwei Kaufhausbrände legen, zu einer Haftstrafe verurteilt werden und 1970 mit Waffengewalt während eines Bibliotheksbesuchs befreit werden – unter Inkaufnahme schwerster Verletzungen des Wachbeamten. Die Waffe, die dabei benutzt wurde, ist einen Raum weiter ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
Dass es danach keinen Weg zurück in die bürgerliche Gesellschaft gab, der harte Kern der Außerparlamentarischen Opposition sich radikalisierte, Westdeutschland mit Terror, Anschlägen und gezielten Morden an politischen Würdenträgern überzog, bis die Gewalt im Deutschen Herbst 1977 vollkommen eskalierte, was damals Politik, Medien, Polizei und BKA aufrüsten ließ, ist Konsens der Geschichtsschreibung, eingebrannt ins kollektive Gedächtnis der verstörten Bundesbürger. Das alles ist auch in der Ausstellung gut dokumentiert, es fehlt nicht an Artikeln, Bildern und Objekten, die penibel Wut und Wahnsinn auf beiden Seiten zeigen. Es fehlt auch nicht an Material, das prügelnde Schah-Anhänger und den massiven Einsatz von Wasserwerfern zeigt, um das Klima der Gewalt Ende der 60er auf den Straßen zu zeigen. Und es fehlt auf der anderen Seite nicht an Opfernamen, Waffen, Autowrackteilen und Bombenspilttern, um die RAF-Gewalt zu zeigen.
Es fehlt aber weiterhin – auch in dieser Ausstellung, die zuvor im Stuttgarter Haus der Geschichte zu sehen war – eine Klammer, ein Erklärungsansatz, wie aus einer Pastorentochter, einem leicht aus dem Ruder gelaufenen Bürgersohn und einer etablierten Journalistin Terroristen werden konnten, die für ihre Sache nicht nur kaltblütig abdrückten und bombten, sondern auch kein Problem damit hatten, Leid und Tod dabei billigend in Kauf zu nehmen.   

Text: Iris Braun

Foto: Verlag Schirner / Deutsches Historisches Museum, Berlin

Deutches Historisches Museum Unter den Linden 2, Mitte, tgl. 10–18 Uhr, bis 8.3.2015

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