Ausstellungen

Ralf Ziervogel und Michael Kunze in der Contemporary Fine Arts

Ralf_Ziervogel_ARE_III_Z_15_00.002.L_c_Gunter_Lepkowski_Contemporary_Fine_Arts.Wild und wüst geht es zu auf den großformatigen Tuschezeichnungen von Ralf Ziervogel. Dabei wird das ekstatisch Eklige aseptisch angerichtet wie auf dem Seziertisch. Akribisch zerlegt der 36-jährige in Berlin lebende Künstler die Körper in Einzelteile, guckt in alle Öffnungen und verknotet die Gliedmaßen zu seltsamen, vielgliedrigen Gebilden. Seine filigran-ornamentalen Körperketten und wirbeligen Knäuel sah man zuletzt bei Matthias Arndt. Nun hat der Zeichner die Galerie gewechselt und die Formate ausgewalzt. Der Strich ist breiter geworden und dicker. Die monumentalen Papierarbeiten wirken plakativer und glatter. „The Big Flash“ zeigt auf fünf Metern Länge einen Mal­trätierten, der in einen Trichter gesogen wird. Gebeine fliegen auch sonst durch die Lüfte. Männergestalten strangulieren sich, frönen oralen Begierden oder der Masturbation wie in der gelben Serie von „A“ bis „F“. Hier offenbart der Comic-Künstler seinen Witz. Auf den anderen Bildern langweilt das wiederholte Spiel mit Spritzen, Raketen oder Handgranaten, die sich in Hintern und sonst wohin bohren, mag es auch noch so schwungvoll vorgetragen sein. Furiose Technik allein täuscht nicht darüber hinweg, dass sich der Sex-, Drugs- und Death-Ritt hier langsam leerläuft. Noch kunstgewerblicher und gefallsüchtiger wirken die Gemälde von Michael Kunze im Erdgeschoss. Die utopischen Architektur-Landschaften des 50-Jährigen zieren leere Pools, hübsche Orangenbäumchen oder lange Damenbeine. Sie passen überall hin und verstören niemanden. Die Bilder beider Künstler hinterlassen einen faden Nachgeschmack.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Gutner Lepkowski / Contemorary Fine Arts

tip-Bewertung: Zwiespältig

 

Ralf Ziervogel und Michael Kunze
im Contemporary Fine Arts
, Am Kupfergraben 10, Mitte,
Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr, bis 4.2.

KUNSTNOTIZEN IN DER ÜBERSICHT

Mehr über Cookies erfahren