Ausstellungen

„re.act.feminism“ in der Akademie der Künste

reactfeminism_Saadeh_c_CourtesyRaedaSaadehZuerst war es nur eine Rede, die nicht erhört wurde. Im September 1968 beschwerte sich Helke Sanders als Vertreterin des „Aktionsrates zur Befreiung der Frauen“ auf dem Delegiertenkongress des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds über die Ignoranz der Linken gegenüber der Stellung von Frauen in der Gesellschaft. Als dann von Studentinnenhand Tomaten auf die männlichen Autoritäten des SDS-Podiums flogen, handelte es sich zwar nicht um Kunst, aber bestimmt um einen der Impulse feministischer Performance. Es war eine Zeit, in der Professoren noch unkritisiert behaupten durften, Frauen seien künstlerisch weniger begabt als Männer.

Seit 2008 erarbeiteten die Kuratorinnen Bettina Knaup und Beatrice Ellen Stammer ein Performance-Archiv unter dem Titel „re.act.feminism“ mit Fokus auf Ost- und Westeuropa, USA, ausgewählte Länder Lateinamerikas, den Mittelmeerraum und den Nahen Osten. Ziel war es, schwer zugängliches oder vergessenes Material öffentlich zu machen. Nach zweijähriger Europa­tour landete die Sammlung von Dokumenten feministischer Performancekunst seit den 1960er-Jahren in Berlin, wo das Gesamt­archiv an fünf Bildschirmen präsentiert wird. Spannend, wenn auch sehr arbeitsintensiv für Interessierte, denen die Auswahl unter den rund 200 Videos nicht leichtfallen wird. Am informativsten sind Aufnahmen mit Zuschauerreaktion, wie das Dokument zum Auftritt

Renate Bertlmanns als schwangere Braut im Rollstuhl oder die Reportage über Valie Exports Tapp- und Tastkino. Unterhaltsam auch der wunderbare Auftritt Anne Beans mit „Moody and the Menstruators“ aus den 1970er-Jahren. Es wäre schade, wenn diese Arbeit der Kuratorinnen keine Fortsetzung fände.

Text: Constanze Suhr

Foto: Courtesy Raeda Saadeh

tip-Bewertung: Sehenswert

re.act.feminism Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten, Di–So 11–19 Uhr, bis 18.8.

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