Ausstellungen

„Realität und Fiktion“ in der Villa Schöningen

DEMAND_Junior_Suite_2012Eine dekorative pinkfarbene Bougainvillea in der Vase spricht der anschließenden Tragik Hohn. Kurz nach dem Essen ertrank Whitney Houston in der Badewanne eines Hotels in Beverly Hills. Scheinbar zeigt die Villa Schöningen hier ein Dokument der letzten Stunde. Doch der Künstler Thomas Demand hat die Situation in bewährter Tatort-Methode eins zu eins im Pappmodell nachgestellt. Realität und Fiktion“ hat Kurator Friedrich von Borries seine Sommerausstellung in der Villa Schöningen an der Glienicker Brücke genannt. Ein gewagtes Unterfangen in einer Welt, in der längst vieles virtuell ist und jeder die Wirklichkeit nach seinem Bilde photoshopt. 13 Künstler hat Börries versammelt. Amüsant der Rucksack „Back up“ des Designers Ora-Ito mit bekanntem Vuitton-Logo, das mutmaßlich auf mehr gefälschten Taschen prangt, als es Originale gibt. Den Rucksack führt die französische Luxusmarke gar nicht. Ora-Ito bot ihn aber auf seiner Homepage an – und angeblich konnte sich Louis Vuitton in Folge vor Anfragen gar nicht retten.

Ziemlich real erscheint auch der Beitrag des Dänen Jakob Boeskov. Ein Jahr nach 9/11 reiste er nach Peking und Katar, um dort auf Waffenmessen seine „ID Sniper Rifle“ anzubieten. Boeskov gab vor, dass sein Gewehr GPS-Chips unter die Haut der Opfer schießt und sie simultan fotografiert. Folglich könne man so verdächtige Subjekte markieren und identifizieren. Das Makabere: Obwohl es sich bloß um eine Attrappe handelte, erhielt der Künstler zahlreiche Anfragen von Politikern, Polizisten und Soldaten. Zynisch kommentiert Boeskov, dass er sich in diesem Milieu wohler gefühlt habe als oft bei Kunsthändlern: „Waffenhändler wissen nämlich, was sie wollen.“

Text: Martina Jammers

Foto: VG Bild-Kunst, 2013 / Courtesy Sprüth Magers Berlin London 

tip-Bewertung: Sehenswert

Realität und Fiktion Villa Schöningen, Berliner Straße 86, Potsdam, Do?+?Fr 11–18 Uhr, Sa?+?So 10–18 Uhr, bis 1.9.

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