Ausstellungen

„Rentier im Zöllnerstreifenwald“ in der Scherin Stiftung

DoppelpilzuhrUdo Kittelmann ist ein unerschrockener Mann. „Ich kenne Carsten Höller seit sehr vielen Jahren. Da hat mich dieser Projektvorschlag auch nicht mehr verwundert“, sagt er. Vor fünf Jahren gab es die ersten Gespräche über eine große Installation in Form eines Tableau vivant, eines lebendigen Bildes, zwischen dem Direktor der Nationalgalerie Berlin und dem Künstler. Nun werden Anfang November zwölf Rentiere, vierundzwanzig Kanarien­vögel, acht Mäuse und zwei Fliegen in die zentrale Halle des Hamburger Bahnhofs einziehen, betreut von zwei Tierpflegern, die rund um die Uhr in Rufbereitschaft sind. Dass Tierhaltung im Museum jede Menge Ärger mit Tierschützern geben kann, weiß Kittelmann natürlich. Sehr wichtig daher: „Wir haben von Beginn an ganz eng mit dem Veterinäramt zusammengearbeitet.“ Außerdem ist Höller ein Mann vom Fach. Er hat Agrarwissenschaft studiert und seine akademische Karriere bis zur Habilitation 1993 verfolgt, mit einer Arbeit über die Geruchskommunikation zwischen Insekten.

Parallel dazu begann er bereits in den 80er-Jahren, künstlerisch zu arbeiten und dabei wissenschaftliche Verfahrensweisen wie das Experiment und die Laborsituation in seine Werke zu integrieren. „Er ist für mich einer der außergewöhnlichsten und auch wichtigsten Künstler unserer Zeit. Er hat zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Kunst in die Nähe der Wissenschaft gerückt, ohne reiner Wissenschaftler zu sein, und aus diesem Wechselspiel entstehen sehr interessante Dialoge“, so Kittelmann. In Berlin ist Höller, der schon in der Tate Modern und auf der Biennale Venedig ausgestellt hat, trotz einer Schau in den Kunst-Werken 1999 („Sanatorium“) noch wenig bekannt. Das wird sich ändern, denn nun bereitet der in Stockholm lebende Künstler die Installation „Soma“ vor, in der neben den Tieren Fliegenpilze eine tragende Rolle spielen. Der Mythos Soma erzählt von einem Heil bringenden Trank, der Zugang zur göttlichen Sphäre, zu Glück und zu Unsterblichkeit verschaffen soll. Belegt ist, dass so ein Trank rund 2000 Jahre vor Christus von den damals in Sibirien lebenden vedischen Völkern rituell eingesetzt wurde.

Den gesamten Text von tip-Redakteurin Stefanie Dörre lesen sie in der aktuellen Ausgabe des tip 23/2010.

Foto: Tony Izaaks/ VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Carsten Höller: Soma Hamburger Bahnhof, 5.11.-6.2.2011.
Carsten Höller „Rentier im Zöllnerstreifenwald“, Schering Stiftung, Unter den Linden 32-34, Mitte, 29.10.-8.1.2011

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