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Retrospektive Werner Tübke im Kunstforum Berlin

WernerTuebke_1991_Verwirrung„Wenn im Schönen nicht das Gefährliche oder gefährdete durchschimmert, dann war oder ist der Sensibilisierungsprozess des Künstlers fürs Lebendige nicht weit genug fortgeschritten oder er war oder ist lügenhaft.“ Der Maler, der dies dekretiert, ist nicht selten des Manierismus und der Mitläuferei bezichtigt worden. Unbestritten hat sich Tübke nicht eben mit der Doktrin der DDR angelegt und in seinen „Historienbildern“ ideologische Erwartungen bedient. Von der Eigenwilligkeit seiner Sicht auf die Geschichte kann sich der Besucher überzeugen. Seine Figuren sind oft stark farbig und merkwürdig verschraubt. Tief hat er in den Fundus der Kunstgeschichte gegriffen und Anleihen gemacht von Grünewald bis Tizian, von El Greco bis Watteau. Auch wenn er gängige Bildkompositionen benutzt wie etwa eine Kreuzigungsszene oder eine Pastorale, verleiht er ihnen durch aufrüttelnde oder erschreckende Details eine ganz neue Lesart.

WernerTuebke_Selbstbildnis-1989So scheint sich seine „Gesellschaft im Freien“ (1981) mit Mandolinenspiel und in Roko­komanier ganz einer ausgelassenen Landpartie hinzugeben – doch nicht ohne Würgereiz entdecken wir plötzlich, dass eine der feinen Damen von gleich zwei Dolchen durchbohrt ist.  Der Narr wie der Harlekin sind seine Masken, durch die er das menschliche Treiben betrachtet. Diese Rolle erlaubt ihm, das Pathos einer Szene aufzuweichen. Nicht einmal bei seinem Maueröffnungs-Bild „Herbst ’89“ ist unverhohlene Freude zu regis­trieren, sieht man mal von den musizierenden Engeln auf der durchbrochenen Mauer ab. Der Rest ist Getrampel einer unkoordinierten Menge. Menschliche Sehnsüchte und Ambivalenzen vermag er zu hinterfragen.
 
Text: Martina Jammers
Fotos: VG-Bild-Kunst-Bonn-2009

(tip-Bewertung: Sehenswert )

Werner Tübke – Retrospektive zum 80. Geburtstag
Kunstforum der Berliner Volksbank, Budapester Straße 35, Tiergarten,
tgl. 10-18 Uhr,
bis 3.1.2010 (24. + 31.12. und 1.1. geschlossen)

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