Ausstellungen

Tropische Moderne

Roberto Burle Marx’ Landschaften sind wie Gemälde . Die DB Kunsthalle zeigt den brasilianischen Künstler als Multitalent

Garten der ehemaligen Francisco Pignatari Residenz, heute Parque Burle Marx, São Paulo – Foto: Cesar Barreto

Sein bekanntestes Werk begrüßt den Besucher gleich im Kassenfoyer: Ein großes Foto zeigt die von Roberto Burle Marx gestaltete Avenida Atlântica entlang der Copacabana in Rio de Janeiro. Die wellenförmige Pflasterung der Promenade mit grafisch gemusterten weißem Kalkstein und schwarzem und roten Basalt umrandet die vier Kilometer lange weltberühmte Küstenstraße; die Fahrbahnen sind getrennt durch Kokospalmen, die der stilprägende Künstler der tropischen Moderne pflanzen ließ.

Robert Burle Marx mit einer
Pflanze, die nach ihm benannt
wurde – Foto: Ayrton Camargo

Womit wir schon beim entscheidenden Material des Landschaftsarchitekten sind: Pflanzen. Der 1909 in São Paulo geborene Sohn einer väterlicherseits aus Trier stammenden Familie (sein Großvater war ein Cousin von Karl Marx) schuf aufregende Gärten, deren Originalentwürfe wie vom Parque do Flamengo in Rio oder des Dachgarten vom Gesundheitsministerium in Brasilia ebenso in der Ausstellung gezeigt werden wie der leider nie verwirklichte Entwurf für die Umgestaltung des Berliner Rosa-Luxemburg-Platzes.

Die abstrakten Gemälden gleichenden Gartendesigns folgen einer spontan erscheinenden Ordnung aus verspielt ineinander liegenden Formen, und lassen erkennen, dass Burle Marx vor allem auch ein Maler war, der allerdings weniger mit dem Pinsel sondern (entgegen der damaligen Vorliebe für europäische Fauna) mit einheimischen Pflanzen „malte“.

Zu gerne würde man nun auch sinnlich in so eine Gartenlandschaft eintauchen, allerdings sprengt das den Rahmen der kleinen KunstHalle; dafür hätte man sich wohl mit der IGA in Marzahn zusammenschließen müssen. So muss man sich mit einem fünfminütigen Film über einen von Burle Marx entworfenen Privatgarten behelfen. Grafiken, Schmuckdesign und Malereien des vielseitigen Künstlers ergänzen die kleine Schau. ◆ Friedhelm Teicke

Deutsche Bank KunstHalle
Unter den Linden 13/15, Mitte, Mo-So 10-20 Uhr, Eintritt 4, erm. 3 €, Mo frei, bis 3.10.

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