Landpartie

Rohkunstbau XXII

Rohkunstbau XXII: über den Übergang von der Kindheit und Jugend zum Erwachsenenalter

Rohkunstbau XXII
Jan Brockhaus / Courtesy Angela de la Cruz and CarrerasMugica (Bilbao) / Ausstellungsansicht XXII. Rohkunstbau

Wer sich nach Schloss Roskow zu „Zwischen den Welten“ begibt, in dem werden Erinnerungen an Ängste und Träume geweckt, die Kinder auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens begleiten. Mark Gisbourne hat diese gehaltvolle Sommerausstellung zum Thema Kindheit und Jugend kuratiert. Elf internationale Künstler stellen aus, etliche haben dafür neue Arbeiten geschaffen. Anthony Goicolea zum Beispiel (siehe l.). Er zeichnete junge Schlafende, die wie Tote unter dickem Plexiglas ruhen. Sieben Großformate liegen nebeneinander auf Kissen aus Gips und wecken Assoziationen an Schneewittchen im Sarg, an Internate oder Flüchtlingslager.
Mehrere Künstler rücken neben – oder gar vor – die Ästhetik den ethischen Aspekt. Besonders die in Afrika, China oder Syrien Geborenen geben zu denken. In diesen Ländern gehören Armut, Gewalt, Krieg oder Verfolgung oft zum Alltag. Wer das erlebte, macht anders Kunst. Im Gegensatz zur mitunter auserzählten Malerei in Europa geht es hier nicht primär um den schönen Schein, sondern um Denkanstöße, Appelle an die Menschlichkeit oder das Aufarbeiten von Traumata.

Hamid Sulaimans Teddybär mit Prothese veranschaulicht dies bereits am Eingang: die Rechte der Kinder werden in weiten Teilen der Welt ständig verletzt! Sie leben als Kindersoldaten in Uganda oder dürfen, wie 60 Millionen Kinder von Wanderarbeitern, ihren Eltern in China nicht in die großen Städte folgen. Die in Peking geborene Künstlerin JIA gibt ihnen eine Stimme. Für ihren „Mini Shop“ hat sie Beiträge von sechs- bis zwölfjährigen Waisen eingesammelt. Sie gestalteten Figürchen aus Knetgummi oder zeichneten ihre Wünsche. Beliebtes Motiv sind Häuschen mit einem Baum davor. „Der Vogel hat einen Zweig im Mund, um ein Nest für die Kinder zu bauen“, erläutert ein Junge seine Sehnsucht nach Geborgenheit. Wer in diesem „Shop“ etwas mitnehmen will, darf das, wenn er im Austausch etwas hinterlässt. JIA wird es den Kids später überbringen.

Neben dieser interaktiven Installation sind Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Filme zu besichtigen. Clemens Krauss rückt Seniorinnen aus einem Altersheim in Israel ins bewegte Bild. Sie erzählen von ihrer Berliner Kindheit. Den Bombenhagel in Aleppo verquickt der syrische Filmemacher Ammar al-Beik mit Fellini-Fragmenten zu „La Dolce Siria“, ein Film, der auf der Berlinale für Aufsehen sorgte. Sehr  eindringlich wirkt die aus Ölfässern geschweißte Skulptur „God‘s children. God’s gift“. Sokari Douglas Camp, 1958 in Nigeria geboren und heute in London lebend, spielt mit ihr auf die Zerstörung der Umwelt durch die exzessive Ölförderung in ihrer Heimat an. Als Reminiszenz auf Michelangelos „Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle streckt ihr Gott den Finger aus. Sein langer Arm scheint auf ein abwesendes Gegenüber zu deuten, das den Schutz der Kinder und damit der Zukunft der Menschheit aus den Augen verloren hat.

Schloss Roskow Roskow, Dorfstr. 30. Sa+So 12–18 Uhr, bis 18.9.

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