Ausstellungen

Romantische Maschinen im Georg-Kolbe-Museum

BaumannDenn dort dreht sich ein Kranz aus Schienen unter den unermüdlich kreisenden Rädern einer Modell-Lok der Deutschen Bahn. Ein Schelm, wer bei dieser Metapher des Vergeblichen an die Politik des Bahnkonzerns denkt. Bara gehört zu den elf Künstlern, die im Georg-Kolbe-Museum an der feinen Ausstellung „Romantische Maschinen – Kinetische Kunst der Gegenwart“ teilnehmen. An den Fortschritt, die Versöhnung von Mensch und Technik, die noch die erste Generation der kinetischen Künstler beseelte, die erstmals Flugzeugmaterialien in der Nachkriegszeit in die Kunst einbrachten, glaubt hier niemand mehr. Motoren und Experimente stehen hier vielmehr meist in einem ironischen Verhältnis zur Behauptung von der Beherrschbarkeit der Technik.

Von der Schönheit des Zusam­menstürzens erzählt das über 20 Jahre alte Video „Der Lauf der Dinge“ von Peter Fischli und David Weiss, das über 30 Minuten lang eine Kettenreaktion von Feuer, Wasser, Rauch, brennenden Flüssigkeiten, schiefen Ebenen und abrutschenden Gewichten zeigt. Der Film erinnert dabei auch an die barocke Kunst der Pyrotechnik, die mit einem Feuerwerk das höfische Fest bereicherte; nur mit dem Unterschied, dass, was dort Missgeschick und Unfall war, hier zur Methode wird. Die Nachahmung des Lebendigen gelingt Thomas Baumann aus Wien besonders gut, dessen abstrakte Skulptur aus gespannter Folie sich bei der Annäherung des Besuchers wie ein erschrockenes Tier zusammenzieht und immer neue Formen und Faltungen bildet (Foto). Am Ende hat man den Eindruck, dass der Spieltrieb der Künstler doch größer ist als ihre kritische Haltung und schließlich obsiegt.     

Text: Katrin Bettina Müller

tip-Bewertung: Sehenswert

Foto: Viktor Kolibal-Galerie, Wien, Galerie Nicolas Krupp, Basel 

Romantische Maschinen – Kinetische Kunst der Gegenwart Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Di-So 10-19 Uhr, bis So 6.9.

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