Ausstellungen

„Russen & Deutsche“ im Neuen Museum

Foto: Klaus Göken / Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / bpkVeroneses farbtrunkene „Auferstehung Christi“ und Watteaus „Ruhe auf der Flucht“ werden flankiert von Leoparden aus Meißener Porzellan. Das „weiße Gold“ aus Sachsen war am Zarenhof so begehrt, dass die Meißener Manufaktur zeitweise 40 Prozent ihrer Jahresproduktion in Russland absetzte. Katharina die Große, ursprünglich Prinzessin von Anhalt-Zerbst, ließ die Kunstsammlung des Berliner Kaufmanns Gotzkowsky kaufen, so begann die Geschichte der Eremitage. Mit dem Kolonisationspatent von 1763 warb Katharina um Siedler, eine zweite Einwanderungswelle folgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der rege Transfer zwischen Russland und Deutschland gipfelt in der Aufmischung der Münchner und Berliner Kunstszene um 1900 durch Kandinsky, Werefkin und Jawlensky, gefolgt von den Konstruktivisten nach dem Ersten Weltkrieg.

Ausdrücklich sollen die vitalen Beziehungen der Menschen beider Völker im Zentrum der Schau stehen. An Artefakten mangelt es nicht: kobaltblaue XXL-Vasen als Geschenk von Zar Nikolaus an den preußischen König, ein vergoldeter Gipsnugget für Alexander vom Humboldt als Dank für seine Forschung im Altaigebirge. Freilich wäre eine lückenlose Dokumentation der gegenseitigen Anziehung und Abstoßung über 1?000 Jahre nicht möglich. Gleichviel ist es ein Ärgernis, dass die von Stalin und NS-Außenminister Ribbentrop unterzeichnete Landkarte zum sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 derart marginal positioniert wird – am Rand von Heinrich Vogelers „Komplexbildern“, der 180-Grad-Volte des Worpsweder Hyperästheten zugunsten der Russischen Revolution.

Text: Martina Jammers

Foto: Klaus Göken / Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / bpk

tip-Bewertung: Annehmbar

Russen & Deutsche Neues Museum, Bodestraße 1–3, Mitte, Fr-Mi 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, bis 13.1.2013

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